/ 11.06.2013
Klaus-Dieter Schwarz
Weltmacht USA. Zum Verhältnis von Macht und Strategie nach dem Kalten Krieg
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1999 (Aktuelle Materialien zur Internationalen Politik 57); 117 S.; brosch., 28,- DM; ISBN 3-7890-5980-3Wie gehen die USA nach dem Ende des Kalten Krieges mit ihrer Rolle als einzige Weltmacht in einer Welt "ohne dominanten Konflikt und strukturbildendes strategisches Prinzip" (13) um? Schwarz analysiert innen- wie außenpolitische Determinanten sowie Ziele und Mittel in der Außenpolitik der Clinton-Administration, um die derzeitige "Strategie amerikanischer Weltmachtpolitik, der erklärten und der praktizierten" (7) herauszuarbeiten. "Weiche" Faktoren wie Diplomatie, Wissenschafts-, Kultur- und Wirtschaftspolitik nehmen bei Schwarz wenig Raum ein. Seine schwerpunktmäßige Beschäftigung mit den militärischen Komponenten von Macht und Strategie entspricht deren Stellenwert im zunehmend unilateralistischen amerikanischen strategischen Denken. Trotz eines grundlegend gewandelten internationalen Systems konstatiert der Autor eine fortwährende Dominanz der realistischen Denkschule bei Strategen und Entscheidungsträgern; in "erster Linie militärisch" (36) begründen die USA laut Schwarz heute ihren Anspruch auf die weltpolitische Führungsrolle. Der Autor betont zwar, daß dies keineswegs eine gewachsene Bereitschaft der USA zum Einsatz dieser Mittel bedeute, doch übt er deutliche Kritik: Auf die "unkonstruktive Macht des Militärischen läßt sich keine verläßliche amerikanische Führerschaft bauen" (97). Er schlußfolgert, daß Europa größere Anstrengungen zur Stärkung der eigenen außen- und sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit unternehmen muß, um die Mängel amerikanischer Führung auszugleichen.
Basierend auf der Analyse aktueller militärpolitischer Strategiepapiere nehmen Überlegungen zu technologischen Aspekten zukünftiger Kriegführung einen breiten Raum ein. Mit einiger Skepsis beurteilt Schwarz den tatsächlichen Nutzen der "Revolution in Military Affairs" (RMA), wie sie hochfliegenden amerikanischen Kriegsszenarien zugrunde liegt. Zwar sind die USA hier technologisch und planerisch weit voraus geeilt, was ebenfalls einen erheblichen Nachholbedarf der Europäer nach sich zieht. Die konkrete Umsetzung der ehrgeizigen Ziele wird aber aus innenpolitischen Gründen noch lange auf sich warten lassen; zudem bietet die RMA-Debatte kaum Lösungskonzepte für die gegenwärtigen und zu erwartenden innerstaatlichen Konflikte in vielen Regionen der Welt.
In seiner verständlich geschriebenen und damit sowohl für interessierte Laien als auch für die kleine deutsche Strategic Community nützlichen Analyse vermittelt Schwarz nicht nur einen grundlegenden Überblick über die klassischen und unverändert prägenden Dichotomien US-amerikanischer Außenpolitik. Ebenso bietet er eine Gesamtschau des internationalen Systems und aller strategisch bedeutsamen Regionen und Fragen an der Jahrtausendwende.
Inhalt: I. Die Rolle der USA nach dem Kalten Krieg: 1. Ressourcen amerikanischer Macht; 2. Grenzen amerikanischer Macht; 3. Grenzen des politischen Systems; 4. Grand Strategy?; 5. Interessen; 6. Mittel. II. Die Rolle militärischer Macht: 1. Umwelt; 2. Bedrohungen; 3. Strategie; 4. Revolution in Military Affairs? III. Streitkräfteplanung: 1. Quadrennial Defense Review; 2. National Defense Panel. IV. Rück- und Ausblick; Anhang (Schaubilder/Literatur/Abkürzungen).
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.64 | 4.22 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Klaus-Dieter Schwarz: Weltmacht USA. Baden-Baden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10177-weltmacht-usa_12037, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12037
Rezension drucken
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
CC-BY-NC-SA