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/ 21.06.2013
Sahra Wagenknecht

Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und Weltwirtschaft

Berlin: Das Neue Berlin 2008; 254 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-360-01956-1
Wagenknecht zeigt als Reaktion auf die aktuelle Finanzkrise aus einer explizit linken Perspektive die Funktionsweise des Kapitalismus auf, um zu belegen, dass Spekulationsblasen nicht die Konsequenz unmoralischen Verhaltens Einzelner sind, sondern in der Logik des kapitalistischen Wirtschaftssystems selbst liegen: „Der Kapitalismus hat abgewirtschaftet. Eine grundlegende Alternative ist möglich“ (13). So kritisiert die Autorin zunächst einmal die Funktionsmechanismen der Finanzmärkte: Während es in der Realwirtschaft rational sei, Güter bei fallenden Preisen zu kaufen, die Nachfrage jedoch bei steigenden Preisen zurückzustellen, sei dies in der Finanzwelt beim Handel mit Aktien gerade umgekehrt. Durch die Hoffnung der Händler auf weiterhin steigende Preise von Wertpapieren habe das Finanzsystem eine gefährliche Eigendynamik, die zur Blasenbildung führe, so Wagenknecht. Da die Finanzmärkte nicht reguliert seien, sei es zudem für die Geldhäuser möglich, Kredite zu verbriefen und weiterzuverkaufen. Derart vom Risiko befreit, finanzierten die Banken „lustvoll die hoffnungslosesten Hypotheken, die sinnlosesten Konsumentendarlehen und die abenteuerlichsten Unternehmensübernahmen“ (58). Das Buch schließt mit drei möglichen Entwicklungsszenarien. Im ersten wird die Krise überwunden und es folgt bald die nächste Spekulationsblase. Das zweite und nach Wagenknecht wahrscheinlichere Szenario schließt den wirtschaftlichen Verfall der Industrieländer in einer langen Phase ökonomischer Stagnation und Destruktion ein, die sogar die Ausmaße der Depression von 1930 übertreffen könnte. Der letzte Fall würde den Kapitalismus soweit in die Systemkrise treiben, dass die politischen Kräfte sich nach links verschöben und öffentliches Eigentum am Finanzsystem und den Kernbereichen der Wirtschaft ermöglichten. Dabei stellt die Autorin fest: „Die Überwindung des Kapitalismus bedeutet nicht die Abschaffung von privatem Produktiveigentum, sondern die Beschränkung auf jene Bereiche der Wirtschaft, in denen es keine ökonomische oder gesellschaftliche Macht gebären kann“ (245).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Sahra Wagenknecht: Wahnsinn mit Methode. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30207-wahnsinn-mit-methode_35823, veröffentlicht am 03.02.2009. Buch-Nr.: 35823 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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