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/ 20.06.2013
Gerhard Beestermöller / Hauke Brunkhorst (Hrsg.)

Rückkehr der Folter. Der Rechtsstaat im Zwielicht?

München: C. H. Beck 2006 (Beck'sche Reihe 1684); 196 S.; 12,90 €; ISBN 978-3-406-54112-4
Während Winfried Brugger, der bereits 1996 in Extremfällen für die Legitimität der staatlichen „Rettungsfolter“ eintrat und 2000 aus der staatlichen Schutzpflicht sogar ein Recht der Bürger auf staatliche Folter ableitete, mit seinen Schriften lange Zeit eine Außenseiterposition besetzte, sind seine Thesen seit dem 11. September 2001 und seit der spektakulären Entführung und Ermordung Jakob von Metzlers salonfähig geworden. Ein gewichtiger Indikator für die zunehmende Bereitschaft, über die Legitimität der Folter in sog. Ausnahmesituationen ernsthaft nachzudenken, ist die Neukommentierung des Art. 1 Abs. 1 GG im Maunz/Dürig-Standardkommentar durch Matthias Herdegen, der Folter nicht mehr modal kategorisch als Würdeverletzung klassifiziert, sondern den Würdebegriff einer fallspezifischen Konkretisierung bzw. Abwägung anheimstellt. Diese Entwicklung hat – am prominentesten wohl in der umgehenden Kritik Ernst-Wolfgang Böckenfördes an Herdegen in der FAZ – aufseiten der unbedingten Foltergegner eine Welle der Empörung ausgelöst. Das Buch ist als Teil dieser Protestwelle zu verstehen. Es versammelt die interdisziplinären Beiträge einer Reihe namhafter Autoren, die sich kritisch mit den Folgen einer Lockerung des Folterverbots für den demokratischen Rechtsstaat auseinandersetzen.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.442.324.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Gerhard Beestermöller / Hauke Brunkhorst (Hrsg.): Rückkehr der Folter. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25781-rueckkehr-der-folter_29927, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29927 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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