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/ 21.06.2013
Mario Candeias / Rainer Rilling (Hrsg.)

Krise. Neues vom Finanzkapitalismus und seinem Staat

Berlin: Karl Dietz Verlag 2009 (Rosa-Luxemburg-Stiftung: Texte 55); 143 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 978-3-320-02184-9
Die Beiträge des Bandes sind aus im Frühjahr und Herbst 2008 von der Rosa-Luxemburg-Stiftung abgehaltenen Debatten u. a. zur Finanzkrise, zur Zukunft des Kapitalismus und den zukünftigen Strategien der Linken hervorgegangen. In der Konsequenz dieses Debattencharakters liegt es, dass der Band so unterschiedliche Textformen wie kurze Essays, ausführlichere Analysen und zukunftsgerichtete Entwürfe enthält. Alex Demirović führt in seiner Analyse der Finanzkrise aus, dass der neoliberale Kapitalismus nicht etwa zum Ende gekommen sei, sondern es sich eher um eine Reorganisation handele. Die letzten zwei Jahrzehnte seien durch den Postfordismus oder High-Tech-Kapitalismus geprägt gewesen. Da jedoch die neoliberale Politik zunehmend weltweit auf Ablehnung stoße, formiere sich der neoliberale Kapitalismus in der Krise um. Er erweitert sein System der „Herrschaft durch Kontingenz“ (39), so der Autor. Diese funktioniere als „stummer Zwang, der ökonomische Verhältnisse systematisch herstellt und nutzt“ (40 f.). Die so hergestellte permanente Ungewissheit, in der Individuen im Staat nicht mehr den Garanten für Sicherheit und Stabilität sehen könnten, führe zu einer Schwächung der Politik des Konsenses. Infolge der hohen Staatsausgaben sei zu befürchten, dass es zu „neuen Privatisierungsschüben kommen wird“ (48). Entsprechend schließt Demirović: „Sollte man sagen, dass der Staat zur Rolle des starken Regulators zurückgekehrt sei, weil er in der Krise die Rolle des ideellen Gesamtkapitalisten übernehmen muss? Das wäre irreführend“ (49). Robert Brenner sieht in der Schwäche der Realökonomie den Schlüssel zur Krise, ja erst zur „Entstehung eines liberalisierten Finanzsektors“ (96). Die Wirtschaftszyklen würden seit Dekaden durch staatliche Verschuldung gemildert, da in der Realwirtschaft seit Mitte der 60er- und 70er-Jahre die Profitrate falle. Durch die Senkung der Zinssätze versuchte man über Kreditvergabe auch dem jüngsten Abschwung zu begegnen, was zur jetzigen Situation führte, schreibt Brenner und resümiert: „Es droht ein langer ökonomischer Abschwung.“ (98)
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.24.43 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Mario Candeias / Rainer Rilling (Hrsg.): Krise. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30516-krise_36226, veröffentlicht am 10.06.2009. Buch-Nr.: 36226 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA