/ 21.06.2013
Werner Weidenfeld / Wolfgang Wessels (Hrsg.)
Jahrbuch der Europäischen Integration 2008
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 560 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-4162-8Das Schiff Europa ist wieder einmal ins Schlingern geraten. Der Kurs ist unklar, die See wird rauer. „Europa zeigt sich strategisch verwirrt“ schreibt Weidenfeld zu Beginn seiner Bilanz der Europäischen Integration. Kritisch notiert er: „Die übliche tagespolitische Hektik verbindet sich mit einer mittelfristigen Ratlosigkeit.“ (13) Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Beiträge des traditionsreichen Jahrbuchs. Dabei ist das gescheiterte Referendum in Irland nur ein Symptom für die Krise der Union. Vor „Lethargie und Handlungsstarre“ (52) warnen Giering/Neuhann mit Blick auf den Europäischen Rat. „Frust innerhalb der Parlamentsmehrheit“ (60) sieht Maurer bei den EP-Abgeordneten, die kämpferisch ins Jahr 2008 gestartet seien. „Gelassene Nervosität“ (69) konstatiert Diedrichs bei der Kommission. Unklar sei die Rolle der Agenturen, deren Zahl erheblich ausgeweitet wurde und denen es nach Ansicht Traguths an einem umfassenden Konzept fehlt. Auch die Außenpolitik der Europäischen Union und die Sicherheits- und Verteidigungspolitik seien von Unsicherheit gekennzeichnet. Hinzu kämen Schwierigkeiten mit Neumitgliedern wie Bulgarien sowie die unklare Perspektive der Beitrittskandidaten. Trotz dieser Probleme lässt das umfangreiche Jahrbuch auch zahlreiche positive Seiten der Europäischen Integration erkennen. Funktionierende Institutionen wie der Gerichtshof, der Rechnungshof und der Ausschuss der Regionen, der Wirtschafts- und Sozialausschuss sowie die Europäischen Zentralbank hätten gezeigt, „dass der europäische Zusammenhalt entgegen vielfach geäußerten Befürchtungen nicht ausgedünnt wird und die EU-Zusammenarbeit auch ohne ein planmäßiges Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon in zentralen Bereichen voranschreitet“ (9). Vermutlich hätte Europa die Finanzkrise ohne diese funktionierenden Institutionen nicht in der bisherigen Form bewältigt. Dass es in Zukunft unterschiedliche Geschwindigkeiten der europäischen Politiken geben wird, gilt als wahrscheinlich – es ist ein Experiment mit offenem Ausgang.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 3.1 | 3.3 | 3.5 | 3.6 | 3.7 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Werner Weidenfeld / Wolfgang Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration 2008 Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30289-jahrbuch-der-europaeischen-integration-2008_35944, veröffentlicht am 03.03.2009.
Buch-Nr.: 35944
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Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
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