/ 19.06.2013
Georg Meggle (Hrsg.)
Humanitäre Interventionsethik. Was lehrt uns der Kosovo-Krieg?
Paderborn: mentis Verlag 2004; 290 S.; kart., 34,- €; ISBN 3-89785-390-6„Was macht eine Intervention zu einer Humanitären? Was sind die moralischen und rechtlichen Kriterien für die Bewertung einer Humanitären Intervention?" (10) Diesen mit dem Kosovo-Krieg auch in Deutschland endgültig ins Bewusstsein gerückten Fragen widmen sich die Autoren der Beiträge des Bandes. Die polemisch gehaltene Einleitung, die alle Befürworter einer so genannten humanitären Intervention zu „Bellizisten" (9) stempelt, lässt zwar zunächst den Verdacht einer einseitigen Stellungnahme aufkommen. Im Verlauf der Lektüre bestätigt er sich jedoch nicht. Während Ulrich Steinvorth vor dem Hintergrund der Theorie des gerechten Krieges den NATO-Einsatz für legitim erklärt, spricht Olaf Müller ihm diese Legitimität in verantwortungsethischer Perspektive ab. Reinhard Merkel hält dagegen humanitäre Interventionen, sofern sie strengen Kriterien genügen, für prinzipiell gerechtfertigt, sieht diese Bedingungen im Fall des Kosovo aber nicht als gegeben an. Hajo Schmidt stellt angesichts des medial transportierten humanitären Schlüsselreizes der Elendsbilder die Frage, ob die liberale Öffentlichkeit überhaupt die Kompetenz besitzt, über die Legitimität einer militärischen Intervention zu urteilen. Dieter Lutz stellt schließlich die ordnungspolitische Frage nach einer Reform des UN-Sicherheitsrates.
Aus dem Inhalt:
I. Kosovo-Krieg: Pro und Contra
Ulrich Steinvorth:
Zur Legitimität der Kosovo-Intervention (19-30)
Georg Meggle:
NATO-Moral und Kosovo-Krieg. Ein ethischer Kommentar ex post (31-58)
Olaf L. Müller:
Was wissen Sie über Kosovo? Fallstudie über Pazifismus, Propaganda und die Verquickung von Fakten mit Werten(59-96)
II. Grundsätzliches
Rüdiger Bittner:
Humanitäre Interventionen sind unrecht (99-106)
Reinhard Merkel:
Können Menschenrechtsverletzungen militärische Interventionen rechtfertigen? Rechtsethische Grundlagen und Grenzen der „Humanitären lutervention" am Beispiel des Kosovo-Krieges (107-132)
Ralf Stoecker:
Intervention und Einmischung (147-180)
Harald Wohlrapp:
Sind Menschenrechte aufrechenbar? Darstellung eines Grunddefekts der „Humanitäten Intervention" (181-200)
III. Und die Moral von der ‚Geschicht'?
Johan Galtung:
Die Bombardierung Jugoslawiens. Diverse Lesarten (Text, Supertext, Subtext, Tiefentext, Kontext, Prätext und Posttext (203-228)
Reiner Steinweg:
Zur Notwendigkeit eines UN-Interventionsrates (UNIC). Frühzeitige nicht-militärische Eingriffe von außen im Fall von drohenden Völkermord und von Verbrechen gegen die Menschlichkeit (229-240)
Hajo Schmidt:
Wie weiter? Rechtsethische Erwägungen anlässlich des Kosovo/a-Krieges (241-265)
Dieter S. Lutz:
Das Beispiel Kosovo: Lehrstück wider den Humanitären Interventionismus. Plädoyer für eine Stärkung der Kollektiven Sicherheit und für die Etablierung eines Zukunftrates (267-288)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.41 | 4.3 | 2.62 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Georg Meggle (Hrsg.): Humanitäre Interventionsethik. Paderborn: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21356-humanitaere-interventionsethik_24923, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24923
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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