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/ 22.05.2014
Christian Schröder

Europa in der Finanzfalle. Irrwege internationaler Rechtsangleichung

Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH 2012; 133 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-8305-3148-7
Bereits der Untertitel lässt aufhorchen, steht dieser doch in diametralem Gegensatz zur herrschenden Meinung, dass die gegenwärtige Krise nur durch eine international abgestimmte und sanktionsbewährte Regulierung der Märkte überwunden werden könne. Christian Schröder geht von der These aus, dass die EU „nicht nur mit Blick auf den Euro, sondern auch bei der Regulierung der Finanzmärkte versagt hat und das Versprechen internationaler und effektiver Regulierung ohnehin nur begrenzt eingelöst werden kann und sollte“ (13). Mit Verweis auf die bereits von der EU initiierten Regulierungsmaßnahmen und den fortbestehenden Dauerzustand einer „chronifizierten Krise“ (11) attestiert Schröder der EU nicht nur ein Versagen, vielmehr habe sie auch maßgeblich Anteil an der Zuspitzung der gegenwärtigen Krise gehabt. Als Beleg führt er den EZB‑Beschluss zum unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt an. Nach diesem Problemaufriss liefert Schröder eine gut verständliche Beschreibung der historischen Entwicklung der US‑Immobilienblase als Ausgangspunkt der derzeitigen Krise. Immer wieder warnt er dabei vor vorschnellen und einseitigen Verurteilungen von Banken, Zweckgesellschaften und spezifischen Finanzmarktprodukten, die oft als Ursachen der Krise ausgemacht werden. Stattdessen prangert Schröder den Missbrauch dieser – aus seiner Sicht – eigentlich unbedenklichen Produkte an, der erst aufgrund von Regulierungsdefiziten und einer unzureichenden Eigenkapitalunterlegung der Banken möglich gewesen sei. Dies erkläre auch, warum (deutsche) Banken wie die IKB „Mitverursacher“ und „nicht Opfer der systemischen Krise“ (38) seien. Besonders die EU‑Kommission und ihre „glasklaren Fehleinschätzungen“ macht Schröder für die Defizite in der Finanzmarktarchitektur vor Ausbruch der Krise verantwortlich – einschließlich der starken Stellung der Rating‑Agenturen. Angesichts dieser Problemdiagnose warnt er vor einer „systemgefährdenden Angleichung des Bankensystems“ (63) in Europa, da so alle Geldhäuser über einen Kamm geschoren würden und sich einzelne Regulierungsdefizite eines unionsweit einheitlichen Rechtsrahmens auf alle Institute negativ auswirken könnten. In seinem Ausblick schlägt Schröder dann durchaus versöhnliche Töne an, indem er anerkennt, dass die EZB durchaus zu einer Beruhigung der Märkte beigetragen habe. Gleichwohl warnt er vor fortbestehenden Gefahren: So werde die „Normenflut“ der EU die schwachen Mitgliedstaaten überfordern. Europa müsse „endlich weg von sprachlich und gedanklich schiefen, ermüdenden und endlos langen Gesetzen, die […] ständig wieder geändert werden“ (127).
{HS}
Rubrizierung: 3.54.43 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Christian Schröder: Europa in der Finanzfalle. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37095-europa-in-der-finanzfalle_43354, veröffentlicht am 22.05.2014. Buch-Nr.: 43354 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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