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/ 18.06.2013
Conrad Schetter

Ethnizität und ethnische Konflikte in Afghanistan

Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2003; 641 S.; brosch., 82,- €; ISBN 3-496-02750-9
Schetter untersucht Ethnizität als Faktor im Afghanistan-Konflikt, weil er beobachtet hat, dass „ethnische Gruppen [...], die sich nur unzureichend im nationalstaatlichen Korsett ‚Afghanistan' selbst verwirklichen" (17) können, konfliktfördernd wirken. Der Entwurf einer Ethnizitätstheorie geht dabei der Fallanalyse voraus. Im zweiten Teil der Untersuchung überprüft Schetter seine theoretischen Annahmen anhand der in Bezug auf linguistische, religiöse und kulturelle Prägungen außerordentlich heterogenen Bevölkerung Afghanistans. Die Rückbindung der in der Fallanalyse erzielten Ergebnisse an die Theorie führt zu der Erkenntnis, dass ethnische Konflikte relevant bleiben, solange der Nationalstaat den Handlungsrahmen der internationalen Politik bildet. Schließlich befindet sich genau dieser Nationalstaat in einer Legitimationskrise. Abschließend skizziert der Autor Ansätze zu einer Friedensfindung, die die dargestellten Ethnizitätsprobleme nicht ausklammern, die er aber selbst lediglich als mögliche Ausgangspunkte eines gesellschaftlichen Integrationsprozesses sieht. Das Buch bietet eine sehr differenzierte Darstellung eines komplexen Themas. Sie stellt nicht nur für die wieder aufblühende Mittelasienforschung einen wichtigen Beitrag dar.
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.682.234.412.222.21 Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Conrad Schetter: Ethnizität und ethnische Konflikte in Afghanistan Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18943-ethnizitaet-und-ethnische-konflikte-in-afghanistan_21979, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21979 Rezension drucken
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