/ 27.02.2014
Müjgan Perçin
Die Kompatibilität des säkularen Staates mit dem Islam. Am Beispiel der Türkei unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Religionsverfassungsrechts
Berlin: Duncker & Humblot 2013 (Schriften zum Öffentlichen Recht 1250); 464 S.; 82,90 €; ISBN 978-3-428-14071-8Rechtswiss. Diss. HU Berlin; Begutachtung: R. Will, C. Möllers. – Die Autorin setzt sich in ihrer rechtsvergleichenden Arbeit eingehend mit den Säkularisierungsprozessen in Deutschland und der Türkei auseinander. Damit berührt sie zum einen die in Deutschland geführte Debatte über das Verhältnis des Islams zum säkularen Staat und die Möglichkeiten einer verbesserten religionspolitischen Integration. Zum anderen nimmt sie Bezug auf den gegenwärtigen religionspolitischen Diskurs über die Trennung von Staat und Religion in der Türkei. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob „nach Ansicht der türkisch‑islamischen Theologie der Islam mit der Trennung von Staat und Religion am Maßstab des deutschen Religionsverfassungsrechts vereinbar ist“ (27). Als Ergebnis ihrer ausführlichen Darstellung der Genese dieses Religionsverfassungsrechts hält sie fest, dass es sich bis zum Auftreten des Islams in Deutschland bewährt hat. Es habe sich eine für alle Religionen geltende Ausgleichs‑ und Partizipationsordnung entwickelt. Allerdings seien deren Parameter „derart auf den Leib der christlichen Kirchen zugeschnitten sind, dass faktisch der gegenwärtige Islam in Deutschland diese Parameter ohne eine Verkirchlichung seiner selbst nicht erfüllt“ (130). Demgegenüber stellt Müjgan Perçin für die Türkei fest, dass diese die Trennung von Staat und Religion nicht vollzogen habe. Der türkische Laizismus stelle sich als eine „Mischung aus Trennungs‑ und Staatsreligionsmodell“ dar. „Während im Osmanischen Reich der Islam die staatliche Herrschaft kontrollierte, kontrolliert in der Türkei nunmehr der Staat den Islam.“ (319) Vor diesem Hintergrund stellt sie in einem weiteren Abschnitt die Auffassungen einzelner bedeutender türkischer Theologen und islamischer Intellektueller über religiöse Gebote und das Verhältnis zum säkularen Staatskonzept dar. Zum Ausdruck kommt darin, dass der Islam im Grundsatz mit der Trennung von Staat und Religion vereinbar ist; der türkische Laizismus wird jedoch für nicht geeignet gehalten, „den Bedürfnissen der türkisch‑muslimischen Gesellschaft gerecht zu werden“ (421). Stattdessen werde eine Trennung von Staat und Kirche nach deutschem Vorbild bevorzugt.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.21 | 2.32 | 2.23 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Müjgan Perçin: Die Kompatibilität des säkularen Staates mit dem Islam. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36796-die-kompatibilitaet-des-saekularen-staates-mit-dem-islam_44866, veröffentlicht am 27.02.2014. Buch-Nr.: 44866 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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