/ 18.06.2013
Hanns Maull / Sebastian Harnisch / Constantin Grund (Hrsg.)
Deutschland im Abseits? Rot-grüne Außenpolitik 1998-2003
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2003; 193 S.; brosch., 29,- €; ISBN 3-8329-0180-9Seit der Ankündigung eines „deutschen Weges" in der Irakkrise durch Bundeskanzler Gerhard Schröder ist „rot-grüne Außenpolitik" im In- und Ausland zum Gegenstand heftiger Kontroversen geworden. Im Kern geht es dabei um die Frage nach dem Verhältnis von Kontinuität und Wandel außenpolitischen Handelns beziehungsweise die künftige Rolle der Bundesrepublik Deutschland in der Welt. Hat die seit 1998 regierende Koalition das Land nach Jahrzehnten der festen transatlantischen Einbindung und dynamischen europäischen Integration ins Abseits geführt? Obschon sich Maull darauf festlegt, dass die rot-grüne Außenpolitik „insbesondere die Beziehungen zu ihren wichtigsten Partnern, Frankreich und den USA, vernachlässigt und dabei Deutschland nicht unerheblichen Schaden zugefügt" (7) habe, finden sich in den zwölf Beiträgen durchaus unterschiedlich nuancierte Antworten. Die Experten setzen ein breites Bild außenpolitischen Handelns der Bundesregierung vom Herbst 1998 bis ins Frühjahr 2003 zusammen: Neben den zentralen Bereichen der Sicherheits-, Bündnis- und Europapolitik untersuchen die Autoren dabei die Außenwirtschafts-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik sowie die Regionalpolitiken gegenüber Asien und dem Nahen sowie Mittleren Osten. Die Autoren stellen dabei fest, dass die rot-grüne Regierung 1998 mit viel Idealismus in der Außenpolitik begann und sich dabei zugleich darum bemühte, an den Grundlinien der deutschen Außenpolitik festzuhalten. Nach der erfolgreich gemeisterten Kosovokrise im Jahre 1999 vernachlässigten Schröder und Fischer die Außen- und Sicherheitspolitik jedoch in einem Maße, dass sie ihre internationalen Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten selbst schwächten. Es ist bedauerlich, dass die Herausgeber auf ein zusammenfassendes und systematisierendes Schlusskapitel verzichtet haben.
Aus dem Inhalt:
Hanns W. Maull:
Editorial: Deutschland auf Abwegen? (7-18)
Nikolas Busse:
Die Entfremdung vom wichtigsten Verbündeten. Rot-Grün und Amerika (19-32)
Martin Wagener:
Auslandseinsätze der Bundeswehr. Normalisierung statt Militarisierung deutscher Sicherheitspolitik (33-48)
Marco Overhaus:
Zwischen kooperativer Sicherheit und militärischer Interventionsfähigkeit. Rot-grüne Sicherheitspolitik im Rahmen von ESVP und NATO (49-63)
Sebastian Harnisch / Siegfried Schieder:
Europa bauen - Deutschland bewahren: Rot-grüne Europapolitik (65-78)
Henning Tewes:
Rot-Grün und die Erweiterung der Europäischen Union (79-90)
Christoph Neßhöver:
Deutsch-französische Beziehungen. Vier lange Jahre Lernen (91-106)
Constantin Grund:
Mannschaftsdienlich gespielt. Rot-grüne Südosteuropapolitik (107-119)
Hanns W. Maull:
Die deutsche Nahostpolitik. Gescheiterte Ambitionen (121-131)
Jörn-Carsten Gottwald:
Im Osten nichts Neues. Vier Jahre und vier Monate rot-grüne Ostasienpolitik (133-147)
Florian Lütticken / Bernhard Stahl:
Die Außenwirtschaftspolitik der rot-grünen Koalition. Diskreter Wandel im Beipack (149-161)
Peter Molt:
Rot-grüne Entwicklungspolitik seit 1998 (163-175)
Florian Pfeil:
Bleibt alles anders? Kontinuität und Wandel rot-grüner Menschenrechtspolitik (177-192)
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.21 | 3.7
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Hanns Maull / Sebastian Harnisch / Constantin Grund (Hrsg.): Deutschland im Abseits? Baden-Baden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19982-deutschland-im-abseits_23266, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23266
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Politikwissenschaftler.
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