/ 18.06.2013
Rafael Biermann (Hrsg.)
Deutsche Konfliktbewältigung auf dem Balkan. Erfahrungen und Lehren aus dem Einsatz
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002 (Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung 37); 376 S.; geb., 49,- €; ISBN 3-7890-7943-XDie Bundesrepublik Deutschland hat in den letzten Jahren wesentliche Einsatzerfahrungen im internationalen Konfliktmanagement sammeln können. Während dieses seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation grundsätzlich an Bedeutung gewonnnen hat, ist seit der Wiedervereinigung auch die Erwartungshaltung gegenüber deutschen Beiträgen gestiegen. Insbesondere in Südosteuropa hat die Bundesrepublik in diesem Zusammenhang erhebliche Verpflichtungen übernommen, wobei der Kampfeinsatz deutscher Streitkräfte im Kosovo 1999 nur eine Facette der vielfältigen Aktivitäten darstellt. Anhand konkreter Fallbeispiele berichten die Autoren - überwiegend deutsche Mitarbeiter internationaler Organisationen oder an den Einsätzen beteiligter deutscher Institutionen - über ihre Erfahrungen. Daneben finden sich detaillierte Darstellungen der eingebundenen deutschen Entscheidungsstrukturen und informierte Schilderungen zentraler Entscheidungsfindungsprozesse. Insgesamt wird damit ein guter Überblick über das Zusammenwirken der verschiedenen an der internationalen Konfliktbewältigung in dieser Region beteiligten deutschen Institutionen geliefert. Die vielfältigen Fallstudien zeigen zudem einige zentrale Defizite auf und weisen auf mögliche Verbesserungsansätze hin.
Inhaltsübersicht: I. Entscheidungsstrukturen und Entscheidungsprozesse im deutschen Konfliktmanagement: Hans-Ulrich Seidt: Führung in der Krise? Die Balkankriege und das deutsche Konfliktmanagement (39-55); Rainer Meyer zum Felde: Die deutsche Mitwirkung an den Friedensmissionen in Bosnien und Herzegowina nach Dayton aus militärpolitischer Sicht (57-101); Christian Schmidt: Der Bundestag als Feldherr - Die parlamentarische Beteiligung bei Einsätzen der Bundeswehr in der Praxis (103-114); Rainer Lucas: Mitwirkung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie beim Stabilisierungsprozeß in Südosteuropa (115-125); Wolfhard Behrens: Wirtschaftlicher Wiederaufbau im Rahmen des Stabilitätspaktes durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (127-138); Viktor Meier: Die politische Bedeutung der Medien in der Konfliktbewältigung (139-150). II. Erfahrungen aus den Einsatzgebieten: Hansjörg Eiff: Zehn Jahre deutsches Konfliktmanagement im früheren Jugoslawien - Erfahrungen und Einsichten (153-172); Sebastian von Münchow: Deutschlands Rolle in den Missionen der OSZE auf dem Balkan. Engagement - wenig Einfluß? (173-193); Michael Flügger: Zivile Implementierung eines Friedensabkommens: Im Büro des Hohen Repräsentanten in Sarajewo (195-211); Detlef Buwitt: Internationale Polizei in VN-Missionen auf dem Balkan - Erfahrungen aus den Einsätzen in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo (213-234); Julija Pezer: Flüchtlingshilfe und -rückkehr (235-249); Jan Kuebart: Die NATO-Luftoperationen im Kosovo (251-261); Thomas Will: Bataillonskommandeur im Kosovo. Erfahrungen im Einsatz (263-284); Friedrich Christian Haas: Das Konzept der interlocking institutions - Realität oder Chimäre im Einsatz? Dargestellt am Beispiel der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit in Bosnien und Herzegowina (285-311). III. Schlußfolgerungen: Rafael Biermann: Deutsche Mitwirkung an der Konfliktbewältigung auf dem Balkan - Versuch einer Zwischenbilanz (315-350).
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 4.21 | 4.41 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Rafael Biermann (Hrsg.): Deutsche Konfliktbewältigung auf dem Balkan. Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17656-deutsche-konfliktbewaeltigung-auf-dem-balkan_20345, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20345
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Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
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