/ 20.06.2013
Gerhard Paul
Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der "Operation Irakische Freiheit"
Göttingen: Wallstein Verlag 2005; 237 S.; geb., 24,- €; ISBN 3-89244-980-5„Wie kein Krieg zuvor war [der Irak-Krieg] ein Krieg der Bilder und ein Krieg um Bilder: ein Bilderkrieg“ (7). Diese These wird auf mehreren Ebenen begründet. Erstens sei der Irak-Krieg der erste Echtzeit-Krieg gewesen und von Anbeginn auf seine televisuelle Darstellung hin inszeniert worden. Zum zweiten sei er durch das Konzept der „embedded journalists“ zugleich der erste live am Bildschirm verfolgte Krieg gewesen. Drittens habe sich die Kriegsberichterstattung in einen „Berichterstattungskrieg“ (10) gewandelt, weil das Fernsehen nicht mehr nur die Funktion einer „Bühne“ habe, sondern zu einem eigenständigen Akteur des Kriegsgeschehens geworden sei. „Das Bild wurde [...] nicht nur als optisch-militärische Waffe, sondern ebenso als Mittel der Demütigung und Zermürbung des Gegners sowie schließlich als modernes Folterinstrument eingesetzt.“ (11) Nach Einschätzung des Autors hatte der medial inszenierte Irak-Krieg auch die Funktion, das Bildertrauma der Anschläge vom 11. September zu beenden und die „zeitweise verloren gegangene globale Bilderhoheit zurückzugewinnen“ (213). „Da Al-Qaida über kein eigenes Territorium verfügte und sich in Afghanistan nichts Adäquates zur Traumabewältigung gefunden hatte, was dem Glanz und der Größe Manhattans vergleichbar gewesen wäre, musste die Zerstörung oder zumindest die triumphale Besetzung der Paläste Saddam Husseins herhalten.“ (213) Allerdings sei der Bilderkrieg für die USA schließlich auch an der visuellen Front verloren gegangen. Die Bilder der verkohlten Leichen aus Faluddscha und die Aufnahmen der Folter in Abu Ghraib hätten die Unmöglichkeit gezeigt, einen Medien-Krieg im Zeitalter des Internets staatlich zu kontrollieren. Paul schließt mit einem Appell an die journalistische Zurückhaltung, sich nicht zum Handlanger terroristischer oder militärischer Botschaften zu machen und stellt die medienkritische Kompetenz des Einzelnen, die Sprache der Bilder des Krieges zu dechiffrieren, als wichtige Aufgabe der Medienbildung heraus.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.41 | 2.63 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Gerhard Paul: Der Bilderkrieg. Göttingen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24683-der-bilderkrieg_28518, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28518
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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