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/ 21.06.2013
Michael Schröder (Hrsg.)

Medien. Spaltpilze der Gesellschaft?

München: Olzog 2008; 221 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-7892-8264-5
Der Band ist das Ergebnis einer Tagung zur Integrationskraft der Medien, veranstaltet von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing im Herbst 2007. Vor dem Hintergrund der Annahme, dass Medien durch die permanente Erörterung relevanter Themen eine Gesellschaft zusammenführten und somit demokratierelevant seien, untersuchen Wissenschaftler und Journalisten die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Schließlich, so der Herausgeber, habe sich die Medienlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten radikal gewandelt: Konzentration der Tagespresse, Erscheinen des privat-kommerziellen Rundfunks, Segmentierung der Märkte, Boulevardisierung der Programminhalte bei Rückgang von Politik und Information, Quotendruck und digitale Medien sind nur einige der Erscheinungen des Wandels. Jürgen Engert führt das sich wechselseitig verstärkende Bedürfnis von Politik und Medien nach Aufmerksamkeit aus. Am besten „verkaufe“ sich der Mensch, was zum bekannten Phänomen der Personalisierung führe. So sei die Mediendemokratie kein Begriff für einen Inhalt, sondern eine Verfahrenstechnik: „Mit ihr versucht der Politiker, die notwendige Legitimation durch die Bürgerschaft auch durch Selbstinszenierung zu gewinnen“ (186). Der Journalismus verstärke diesen Trend, indem er seine zwei Grundprinzipien Selektion und Präsentation zugunsten der Präsentation verschiebe, „der längere Artikel wird zu einer Rarität“ (190). Tilman Steiner beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Integration, Qualität und Quote. An der öffentlich-rechtlichen Verpflichtung zur Integration und Qualität lässt der Autor dabei keinen Zweifel. Er wünscht sich die Vermittlung von Themen als Wissens- und Diskussionsbasis, von Normen und Werten sowie das Herstellen von politischer Öffentlichkeit unter der Prämisse „the brain runs on fun“ (50). Sensationsberichterstattung hingegen heize „das psychische Weltklima auf“ (63). Das Typische oder Normale müsse wieder in authentischer Weise, in Form von Dokumentation und Reportage, in den Blick genommen werden. Steiner betont: „Die Quote ist untauglich für Entscheidungen über Programme“ (84).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.333 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Michael Schröder (Hrsg.): Medien. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30103-medien_35689, veröffentlicht am 03.03.2009. Buch-Nr.: 35689 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA