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/ 21.06.2013
Christian F. Buck

Medien und Geiselnahmen. Fallstudien zum inszenierten Terror

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007; 321 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-15514-2
Politikwiss. Diss. Berlin; Gutachter: A. Siedschlag. – Buck untersucht, wie Regierungen und Medien im Fall einer Geiselnahme interagieren und welche Schlussfolgerungen sich daraus für das Regierungshandeln ergeben. Basierend auf einem konstruktivistischen Analyserahmen wird davon ausgegangen, dass Journalisten nicht als neutrale Beobachter aufgefasst werden können, sondern dass sie selbst durch ihre Berichterstattung und Interpretation einen Einfluss auf die Geschehnisse haben. Als Fallstudie dient dem Autor die Geiselnahme der Familie Wallert auf der philippinischen Insel Jolo im Jahr 2000. Eingangs wird ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und eine Einführung in die zugrunde liegenden Theorien geboten. Es werden unter anderem Annahmen des Konstruktivismus sowie akteurstheoretische Modelle und solche, die die Verschmelzung von Politik und Medien und die Wirkung von Medien thematisieren, aufgegriffen und hinsichtlich ihrer Aussagekraft geprüft. Im empirischen Teil werden zunächst die Ereignisse im Zusammenhang mit dem zu analysierenden Entführungsfall chronologisch dargestellt. Gleichzeitig werden die Schlagzeilen aufgegriffen, die zu der Zeit die Medien bestimmten. Buck konzentriert sich in der Fallstudie auf die Frage, inwieweit das Handeln der Regierung durch die Medien beschränkt wird. Er nimmt an, dass mediale Berichterstattung gegebenenfalls die bestehende Problemlage verschärfen kann. Um herauszufinden, in welcher Weise eine derartige Beeinflussung erfolgt, zeigt der Autor 20 Dilemmata auf, die im Zusammenhang mit einer Entführung auftreten können. Zu diesen gehören unter anderem, ob eine Regierung überhaupt mit Geiselnehmern verhandeln sollte, in welchem Verhältnis Medien und Geiseln sowie Geiselnehmer zueinander stehen oder auch die Diskrepanz zwischen öffentlichem Informationsrecht und dem Anspruch der Gefangenen auf angemessenen Schutz. Aufgrund des umfangreichen empirischen Datenmaterials liefert die Studie interessante Erkenntnisse, die sich auch auf ähnliche Fälle übertragen lassen.
Maren A. Kreutler (geb. Becker) (MAB)
M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.333 Empfohlene Zitierweise: Maren A. Kreutler (geb. Becker), Rezension zu: Christian F. Buck: Medien und Geiselnahmen. Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28157-medien-und-geiselnahmen_33107, veröffentlicht am 28.03.2008. Buch-Nr.: 33107 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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