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/ 21.06.2013
Winfried Thaa (Hrsg.)

Inklusion durch Repräsentation

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007; 212 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-3065-3
Das Diktum von Ralf Dahrendorf, auch wenn die Demokratie nicht tot sei, die Parlamente seien es sicher, verweist auf eine schleichende Krise politischer Repräsentation, die weit über das hinausgeht, was in der klassischen Theorie als immanente Spannung im Mandatsverständnis (als Treuhänder bzw. Delegierter) diskutiert worden ist. Angesichts des wachsenden ökonomischen Drucks auf den Sozialstaat und einer verstärkten ethnischen Pluralisierung westlicher Gesellschaften scheinen die Mechanismen der Interessenrepräsentation systematisch mit exkludierenden Effekten nicht nur in vertikaler, sondern zunehmend auch in horizontaler, also bestimmte Gruppen ausschließender Richtung verbunden zu sein. Vor diesem Hintergrund werden in der Politikwissenschaft neuerdings Überlegungen angestellt, ob und in welcher Hinsicht deliberative Repräsentationsformen, die auf die Rationalität von Beratungen in Parlament, Öffentlichkeit und speziellen Gremien setzen, dem traditionellen Modell überlegen sind. In diesem Sammelband, entstanden aus einer März 2007 an der Universität Trier durchgeführten Tagung (im Kontext der Sonderforschungsbereichs 600 „Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart“), werden diese Fragen in sehr anregender Form an drei thematischen Schwerpunkten diskutiert. Zunächst geht es um eine kurze Rekapitulation ideengeschichtlich bedeutsamer Positionen – einerseits hinsichtlich des Repräsentationskonzepts (Rousseau, Federalist Papers, John Stuart Mill), andererseits mit Blick auf Pluralismustheorien. Mit der Aufnahme des Modells der deliberativen Demokratie in der neueren demokratietheoretischen Debatte befassen sich die Autoren des zweiten Teils. Im dritten Teil schließlich werden Leistungen und Defizite neuer Repräsentationsformen an aktuellen Entscheidungsmaterien (Arbeitsmarkt-, Gesundheits- und Integrationspolitik) diskutiert.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.322.3315.412.35 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Winfried Thaa (Hrsg.): Inklusion durch Repräsentation Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28777-inklusion-durch-repraesentation_33951, veröffentlicht am 09.04.2008. Buch-Nr.: 33951 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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