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/ 22.06.2013
Saskia Richter

Die Aktivistin. Das Leben der Petra Kelly

Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2010; 524 S.; geb., 24,99 €; ISBN 978-3-421-04467-9
Anhand zahlreicher Quellen und Gespräche mit Zeitzeugen zeichnet die Autorin wissenschaftlich fundiert das Leben Petra Kellys nach. Die deutsche Friedensbewegung und die Gründung der Grünen Anfang der 80er-Jahre sind mit ihrem Namen verbunden, als Streiterin gegen die Atomenergie, den NATO-Doppelbeschluss und für Menschenrechte oder Umweltschutz. Kellys Engagement hatte den Anschein des Unbedingten und so spricht Richter auch vom „Mythos Petra Kelly“ und der „Jeanne d’Arc der Friedenbewegung“ (14). Kelly plädierte für eine einseitige Abrüstung und wurde dafür u. a. vom ehemaligen Verteidigungsminister Hans Apel als Agentin des Kremls bezeichnet. 1960 in die USA übergesiedelt, engagiert sie sich als Studentin gegen den Vietnamkrieg, obwohl sie keine Anhängerin der deutschen Studentenbewegung gewesen sei, betont die Autorin. Mit der Gründung der Grünen und der von ihnen vertretenen Basisdemokratie sollte eine sanfte Organisationsform in die deutsche Parteienlandschaft einziehen. Doch Richter schildert ausführlich den Weg „vom alternativen Himmel in die grüne Hölle“. Die Funktionsweisen der informellen Strukturen erwiesen sich als unberechenbar, dies führte gar zu „psychischem und physischem Druck“ (232) für alle Beteiligten. Hinzu kamen die Spannungen zwischen der finanziell besser gestellten Fraktion im Bundestag und der Partei. Kelly war eine der ersten, die die Ehrenamtlichkeit des politischen Arbeitens und auch die Basisdemokratie infrage stellte und machte sich damit Feinde im Parteivorstand. Mitte der 80er-Jahre wurde Kelly schließlich in den Hintergrund gedrängt. Ihren Aufstieg bei relativ geringer struktureller und machtpolitischer Verankerung versucht Richter mit dem Begriff „weibliches Charisma“ (353) zu fassen. Kelly inszenierte sich als betroffene Frau in einer Männerwelt, doch gleichzeitig gab es auch eine Art von „Bewegungscharisma“ (364). Das Mittel des Charismas sei in diesem Fall die Vision einer besseren Zukunft und das Versprechen, das „Richtige“ zu tun. Dabei übte Kelly charismatische Macht weniger politisch als im Bewegungsumfeld aus, resümiert die Autorin.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.331 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Saskia Richter: Die Aktivistin. Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33034-die-aktivistin_39461, veröffentlicht am 11.01.2011. Buch-Nr.: 39461 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA