/ 22.06.2013
Renate Faerber-Husemann
Der Querdenker. Erhard Eppler - Eine Biographie
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2010; 294 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8012-0402-0Die Autorin schildert den Lebensweg Erhard Epplers, des bekannten Politikers und Vordenkers der deutschen Sozialdemokratie. Ihre thematischen Ausführungen leitet Faerber-Husemann anhand kurzer Interviewpassagen mit Eppler ein, in denen die Sympathie für ihn deutlich eine kritische Haltung überwiegt. Eppler war u. a. bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und bis zu einer schweren Wahlniederlage in den 80er-Jahren landespolitisch in Baden-Württemberg aktiv. Seine Demission als Minister erklärt Eppler mit einer Veränderung seines politischen Denkens. Dies habe auch zu seiner äußerst schwierigen Beziehung zu Helmut Schmidt geführt – die Autorin setzt über das Kapitel die Überschrift „Wie aus Respekt Feindschaft werden kann“ (135). In den 70er-Jahren seien für Eppler zwei Überzeugungen zentral geworden. Zum einen zähle dazu die Einsicht, dass die Ökologie ein bedeutendes Thema der Zukunft sei, zum anderen die Ansicht, dass die von Schmidt befürwortete Nachrüstung mit Pershing-Raketen nicht nötig gewesen sei. Die militärisch unterlegene Sowjetunion habe mit ihrer Raketenstationierung nur symbolisch ihren Weltmachtstatus demonstrieren wollen. Schmidt aber, so Eppler im Interview, sei in der Denkweise der 60er- und 70er-Jahre hängen geblieben und habe ihn daher nicht verstehen können. Den Vorwurf, der linke Flügel der SPD habe den Kanzler demontiert, lässt Eppler nicht gelten. Das Ende der sozialliberalen Koalition habe sich mit den Hamburger Bürgerschaftswahlen 1982 angedeutet. Durch den Erfolg der Grün-Alternativen habe die SPD mit der FDP keine Regierung bilden können, von da an habe die FDP eine Wende zu einer „marktradikalen, neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik“ (140) vollzogen. Damit ist ein aktuelles Projekt Epplers angesprochen, der Kampf für den Staat und gegen den Neoliberalismus. So spricht er sich für Mindestlöhne und eine Mindestbesteuerung von Unternehmen in der EU aus. Mit Karl Popper eine seiner intellektuellen Bezugsgrößen zitierend, ist er nach wie vor der Meinung, links zu sein, heiße, den Menschen vor der Macht des Marktes und des Kapitals zu schützen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Renate Faerber-Husemann: Der Querdenker. Bonn: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33159-der-querdenker_39627, veröffentlicht am 11.01.2011.
Buch-Nr.: 39627
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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