/ 17.06.2013
Hadayatullah Hübsch
Fanatische Krieger im Namen Allahs. Die Wurzeln des islamistischen Terrors
Kreuzlingen/München: Diederichs 2001; 160 S.; geb., 14,90 €; ISBN 3-7205-2296-2Das im Untertitel angekündigte Thema - die "Wurzeln des islamistischen Terrors" - behandelt Hübsch auf acht Seiten. Sein eigentliches Anliegen ist ein anderes: zu zeigen, dass der islamistische Terror die islamische Religion missbraucht und dass die verbreitete Meinung von der Gewaltbereitschaft des Islam auf einem Vorurteil beruht. Der Autor, der 1969 zum Islam konvertierte und in Frankfurt a. M. als Schriftsteller, Journalist und Leiter des Freitagsgottesdienstes an der Nuur-Moschee lebt, vertritt die These, dass der Islam in keiner Weise aggressiver als andere Religionen sei; sowohl die islamische Einteilung der Welt in das "Reich des Islam" und das "Reich des Krieges" als auch die Verschmelzung von religiöser und politischer Gemeinschaft seien Zuschreibungen, die auf Unkenntnis beruhten. Mit einer Vielzahl von Koranzitaten wird in einem populär geschriebenen und nur mäßig strukturierten Text gezeigt, dass der islamische Glaube nicht zur Rechtfertigung des Terrorismus herhalten kann. Dem ist im Ergebnis sicher zuzustimmen - doch der Islam ist längst nicht so harmlos, wie Hübsch ihn darstellt: Der militärische Dschihad ("kleiner Dschihad", im Unterschied zum "großen Dschihad", der das Ringen des Muslims um den rechten Glauben bezeichnet) ist sowohl im Koran als auch in der Geschichte des Islam weit mehr als ein Verteidigungskrieg zur Sicherung der Glaubensfreiheit. So zeigt zum Beispiel Bassam Tibi in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zum Islam, dass der Koran auch den Auftrag zur offensiven Bekämpfung der Ungläubigen enthält (siehe z. B. "Kreuzzug und Djihad", in: ZPol 3/00: 1094). Der Band eignet sich folglich nicht als Einführung in das Thema "Islam und Gewalt", sondern ist eher als Beitrag zur Debatte über das politische Selbstverständnis von Muslimen zu verstehen.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.25 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Hadayatullah Hübsch: Fanatische Krieger im Namen Allahs. Kreuzlingen/München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16080-fanatische-krieger-im-namen-allahs_18430, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18430
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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