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/ 05.06.2013
Thomas König / Elmar Rieger / Hermann Schmitt (Hrsg.)

Europa der Bürger? Voraussetzungen, Alternativen, Konsequenzen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1998 (Mannheimer Jahrbuch für Europäische Sozialforschung 3); 371 S.; 98,- DM; ISBN 3-593-36170-1
Nach den Bänden über das europäische Mehrebenensystem und die europäische Institutionenpolitik rückt der dritte Band dieser Reihe die Beziehungen zwischen Strukturen und Prozessen der europäischen Einigung und den - fachwissenschaftlich bisher eher am Rande behandelten - Bürgern der Mitgliedstaaten in den Mittelpunkt. Mit den Vertragsrevisionen der letzten Jahre (Einheitliche Europäische Akte, Maastricht), die einerseits dem Europäischen Parlament einen Machtzuwachs eröffnen, andererseits im Ministerrat eine Ausweitung des Mehrheitsentscheids ermöglichen, wird der bisher in Sachen europäischer Einigung praktizierte technokratisch-funktionalistische Politikstil in Frage gestellt. Eine weitergehende Parlamentarisierung der Europapolitik macht eine steigende Vielfalt von Entscheidungsmaterien und Interessenkonstellationen wahrscheinlich und zugleich werden Fragen nach zureichender Legitimität des Prozesses nachdrücklicher gestellt werden. Vor diesem Hintergrund fragen die Herausgeber: "Inwiefern ist der europäische Bürger nicht nur eine Fiktion von Sonntagsreden, sondern eine Realität in dem Sinne, als die Europäisierung Europas seinen Präferenzen, Werthaltungen und Handlungsoptionen eine transnationale Einheitlichkeit verleiht, die auch einen institutionellen bzw. machtpolitischen Ausdruck in kollektiven Entscheidungen finden muß?" (14). Die Beiträge des ersten Teils diskutieren - freilich primär in ökonomischer Perspektive - formal-institutionelle Aspekte einer Aufwertung (liberaler) Bürgerrechte. Im zweiten Teil stehen empirische Fragen von Einstellungen und Präferenzen in den Mitgliedstaaten im Vordergrund, während sich der dritte Teil mit Mechanismen und Verfahren europäischer Willensbildung und Interessenaggregation befaßt. Inhalt: Thomas König / Elmar Rieger / Hermann Schmitt: Einleitung: Europa der Bürger? Voraussetzungen, Alternativen, Konsequenzen (11-17). 1. Die formal-institutionelle Gestaltung eines Europas der Bürger: Reiner Eichenberger / Bruno S. Frey: Ein neuer demokratischer Föderalismus für Europa (21-43); Friedrich Schneider: Fünf grundlegende Elemente einer föderalen Verfassung der Europäischen Union im Licht der ökonomischen Theorie der Politik (44-63); Michael Wohlgemuth: Institutioneller Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. Zur Rolle von Abwanderung und Widerspruch im europäischen Binnenmarkt (64-88); Thomas Schuster: Die Mutterschutzrichtlinie der Europäischen Union von 1992: Hat sie das Legitimitätsdefizit vergrößert? (89-110); Andrea Dupp / Bernd Grzeszick: Europäische Grundrechte aus Bürgersicht. Legitimation, Struktur und Umfang des gemeinschaftsrechtlichen Grundrechtsschutzes am Beispiel des Eigentumsrechts (111-135). 2. Die empirische Ausgangslage der Bürger in Europa: Waldemar Lilli: Europäische Identität: Chancen und Risiken ihrer Verwirklichung aus einer sozialpsychologischen Grundlagenperspektive (139-158); Francis G. Castles: Die Bedeutung der Ökonomie für die politische Unterstützung der Europäischen Union (159-176); Ulrike Liebert: Der gender gap in der europäischen Öffentlichkeit als Problem der international vergleichenden Meinungsforschung (177-200); Hans-Dieter Klingemann / Andrea Römmele / Evi Scholz: Leuchttürme Europas. Ein 3-Stufen-Modell politischer Kommunikation und erste empirische Ergebnisse (201-219); Jacques Thomassen / Hermann Schmitt: Die Übereinstimmung zwischen europäischen Wählern und den Abgeordneten des Europäischen Parlaments (220-241). 3. Strukturanalysen der Aggregation von Bürgerpräferenzen: Michael Stoiber: Existiert die Chance für ein europäisches Parteiensystem? Eine Analyse von Parteiwahrnehmungen (245-265); Bettina Westle / Nicola Staeck: Nationale Parteien als Vermittlungsinstanz europäischer Politik? Das Beispiel der Debatte um die Einführung des Euro (266-294); Amie Kreppel / George Tsebelis: Koalitionsbildung im Europäischen Parlament (295-327); Jan-Erik Lane / Mikko Mattila: Der Abstimmungsprozeß im Ministerrat (328-343); Robert J. Mokken / Diane Payne / Frans N. Stokman / Frans W. Wasseur: Präferenzaggregation und Effektivmacht. Die Reform des EG-Strukturfonds für Irland (344-362).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.43.13.23.3 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Thomas König / Elmar Rieger / Hermann Schmitt (Hrsg.): Europa der Bürger? Frankfurt a. M./New York: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8306-europa-der-buerger_10939, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10939 Rezension drucken
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