/ 04.06.2013
Herbert Ehrenberg
Die große Standortlüge. Plädoyer für einen radikalen Kurswechsel in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1997 (Politik im Taschenbuch 19); 264 S.; 24,80 DM; ISBN 3-8012-0255-0Ehrenberg, 1976 bis 1982 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, stellt sich mit seinen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstellungen entschieden gegen den neoliberalen Trend, der auf einen Abbau des Sozialstaats und niedrige Löhne drängt. Die Klagen der Wirtschaftsverbände über schlechte Standortbedingungen seien unberechtigt. Trotz überdurchschnittlicher Belastung der Arbeitnehmereinkommen sowie steuerlicher Begünstigung und folglich überdurchschnittlicher Steigerung der Unternehmereinkommen konnten schon in den letzten Jahren keine Beschäftigungseffekte erzielt werden (20 ff.). Auch der Sachverständigenrat sei nicht mehr unabhängig und "längst auf die einseitig angebotsorientierte Linie der Chicagoer Schule plus Sozialstaatskritik" (39) eingeschwenkt. Der Rat reite auf den Standortproblemen herum und ignoriere die Erfolgsbilanzen der deutschen Exportwirtschaft (37 ff.). Um einen Wachstums- und Beschäftigungsschub auszulösen, befürwortet Ehrenberg neben einem Bündel an finanz- und sozialpolitischen Maßnahmen staatliche Investitionen, die u. a. durch Kredite finanziert werden sollten.
Inhaltsübersicht: 1. Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf: Legenden und Fakten in der Standortdebatte; Falsche Weichenstellung durch das Standortsicherungsgesetz; Hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit - schwache Binnennachfrage; Irreführende und aufklärende internationale Vergleiche; Was wird, wenn es so weitergeht? 2. Radikale Korrektur der Finanz-, Wirtschafts- und Geldpolitik: Großen Wachstums- und Beschäftigungsschub auslösen; Neue Finanzierungsquellen erschließen; Wachstums- und beschäftigungswirksame Reform der Abgabenstruktur; Konjunkturelle Rückwirkungen der Steuerpolitik; Aufbau Ost: Die Teilung ist nicht durch Teilen zu überwinden. 3. Notwendige Renaissance des Sozialstaats: Schluß mit den Reformen, die keine sind; Die Sozialversicherung mit systemkonformen Reformen stabilisieren; Kapitaldeckungsverfahren zuverlässiger als die Umlage aus dem jährlichen Volkseinkommen? Wachstumsimpulse durch einen breiten Beschäftigungspakt ergänzen; Tarifautonomie als Eckpfeiler des Sozialstaates. Europäische Perspektiven und Globalisierung: Der EURO als große Wachstumschance; Konsequenzen der Globalisierung; Beispiele aus der niederländischen, schwedischen und amerikanischen Entwicklung.
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Herbert Ehrenberg: Die große Standortlüge. Bonn: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4021-die-grosse-standortluege_5712, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5712
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M. A., Politikwissenschaftler.
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