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/ 22.06.2013
Ulrich Jan Schröder / Antje von Ungern-Sternberg (Hrsg.)

Zur Aktualität der Weimarer Staatsrechtslehre

Tübingen: Mohr Siebeck 2011 (Grundlagen der Rechtswissenschaft 17); VIII, 356 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-16-151043-4
Die Aktualität der Weimarer Staatsrechtslehre steht außer Frage: Kaum eine rechts- und politikphilosophische Position der Gegenwart oder eine rechtspolitische Diskussion – sei es die Debatte um die Reichweite der europäischen Integration, die Grenzen der Terrorismusbekämpfung oder die Frage nach der Reichweite von Grundrechten – kommt heute ohne Verneigung vor den großen Staatsrechtlern der Weimarer Zeit aus. Zugleich sind solche Ehrerweisungen verdächtig. Sie nähren den Verdacht, dass die zu Klassikern stilisierten Autoren noch für ein Bonmot taugen, aber sich schon längst nicht mehr auf der Höhe der zeitgenössischen Forschung befinden. Dass diese Stilisierungen trügen, veranschaulichen die versammelten Beiträge einer 2010 an der Universität Münster veranstalteten Tagung. Es mag das Beispiel der Integrationslehre Rudolf Smends genügen: Während etwa Mathias Hong in ihr hochaktuelle Impulse für die gegenwärtige rechtsphilosophische Debatte sieht, betont Nele Matz-Lück durchaus deren Grenzen für das Verständnis des europäischen Einigungsprozesses – eine These, die von Heiko Sauer sogar generalisiert wird. Zu ähnlich ambivalenten Schlüssen kommen auch die Autoren, die sich mit inhaltlichen Anknüpfungspunkten, etwa Fragen der Verfassungsinterpretation oder konkreten verfassungspolitischen Problemen, beschäftigen. Die heutige Forschung lässt sich von den Klassikern inspirieren, ihnen ahistorisch folgt sie indes nicht. Anzumerken sei, dass aus politologischer Sicht die Lektüre des Bandes mitunter deprimierend ist: Dass die Politikwissenschaft aus den – nicht nur sozialwissenschaftlichen – Defiziten der Staatsrechtswissenschaft hervorgegangen ist, mag den Autoren bewusst sein, aber hieraus folgt jedoch nur bei Ulrich Jan Schröder ein vorsichtig eröffnetes Gesprächsangebot, während dies bei anderen weitgehend übergangen wird oder lediglich zur Frage der Rückintegration der Politikwissenschaft in die Staatsrechtslehre führt.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.412.311 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Ulrich Jan Schröder / Antje von Ungern-Sternberg (Hrsg.): Zur Aktualität der Weimarer Staatsrechtslehre Tübingen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34773-zur-aktualitaet-der-weimarer-staatsrechtslehre_41800, veröffentlicht am 22.03.2012. Buch-Nr.: 41800 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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