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/ 05.06.2013
Thomas Heinrichs

Zeit der Uneigentlichkeit. Heidegger als Philosoph des Fordismus. Mit einem Vorwort von Frieder Otto Wolf

Münster: Westfälisches Dampfboot 1999; 285 S.; 48,- DM; ISBN 3-89691-457-X
Philosophische Diss. Berlin. - Ziel der Arbeit ist es, den politischen Gehalt Heideggers Zeit- und Entfremdungsbegriff in seinen Frühschriften, insbesondere anhand von Vorlesungen aus den zwanziger Jahren, bis zu dem zentralen Werk "Sein und Zeit" herauszuarbeiten. Obwohl Heidegger nie eine explizit politische oder ethische Philosophie schrieb, versucht Heinrichs das Politische und das Ethische als ständige Themen Heideggers nachzuweisen. "Hinsichtlich des Politischen ist Heideggers Gegenstand nicht der Staat, sondern das 'Volk', die Masse im Alltag. Hinsichtlich des 'Ethischen', der individuellen Lebensführung ist es der Einzelne auf seinem Weg zur 'Eigentlichkeit'" (15). Heinrichs erhellt den historischen Entstehungskontext der Schriften Heideggers im Anschluß an Gramscis Konzept des Fordismus. Die Analytik des "Da-seins", das Leben im "Uneigentlichen" wird vor dem Hintergrund einer sich herausbildenden Konsum- und Mediengesellschaft verständlich. Die strukturelle Herrschaft des "Man", die Entfremdung angesichts der neuen Form der Reproduktion des täglichen Lebens erscheint als grundsätzliche Bedingtheit des menschlichen Lebens. Heideggers Position in "Sein und Zeit" stellt sich dem Autor als eine radikale Kritik an den gesellschaftlichen Umbrüchen der Weimarer Republik dar, die mit dem Feld "der sogenannten konservativen Revolution" (213) konform geht. Die Studie widerlegt die These einer unpolitischen Frühphilosophie Heideggers und weist die Kontinuitäten seiner politischen Entwicklung hin zum Engagement im Nationalsozialismus auf. Mit der "Konzeption der Gemeinschaft der 'Eigentlichen' als einer Gemeinschaft der 'eigentlich wollenden'" (Wolf [12]) folgt Heidegger 1930 schließlich dem "Schritt vom konservativen Isolationismus aus Sein und Zeit zum völkischen Gemeinschaftsmodell" (12). Inhaltsübersicht: I. Heideggers Entwicklung Anfang der zwanziger Jahre: von der Wissenschaftstheorie zur Lebensphilosophie; II. Der gesellschaftspolitische Gehalt von Sein und Zeit; III. Philosophie und auch Politik.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 5.462.311 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Thomas Heinrichs: Zeit der Uneigentlichkeit. Münster: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8376-zeit-der-uneigentlichkeit_11051, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11051 Rezension drucken
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