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/ 21.06.2013
Stephan Marks

Warum folgten sie Hitler? Die Psychologie des Nationalsozialismus

Düsseldorf: Patmos Verlag 2007; 219 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-491-36004-4
Die bundesrepublikanische Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in anerkennenswerter Weise mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust beschäftigt, schreibt der Sozialwissenschaftler Marks. Um aber tatsächlich aus der Geschichte lernen zu können, gelte es die Psychologie des Nationalsozialismus zu erklären. Marks geht deshalb den Beweggründen der aktiv am NS-Regime Beteiligten nach. Präsentiert werden damit die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Geschichte und Erinnerung“, dessen Grundlage Interviews mit „ganz normalen“ NS-Anhängern sind. Die Interviewpartner waren 19 Frauen und 24 Männer, die ausführlich und teilweise zusätzlich in Gruppengesprächen von Marks und seinen Mitarbeitern befragt wurden. Allen Interviewten gemeinsam ist, dass sie den Nationalsozialismus zwölf Jahre lang „in der von Hitler beschriebenen Weise“ erlebt haben: intensiv und sehr emotional, „nämlich mit Begeisterung“ (190). Was aber hatte diese Frauen und Männer motiviert, sich für den Nationalsozialismus zu engagieren? Marks vertritt die plausible These, dass der Nationalsozialismus nicht darauf zielte, die Menschen kognitiv zu überzeugen, sondern sie emotional einzubinden. „Er lebte von der narzisstischen Bedürftigkeit und Abhängigkeit seiner Anhänger, von ihren Schamgefühlen, Kriegstraumata und frühkindlichen Erlösungsphantasien“ (168). Der spezifische nationalsozialistische Bewusstseinszustand sei durch eine Kultur des Schweigens geprägt gewesen und von der Vorstellung, der Führer sei gottgleich. Diese Mystifizierungen seien in einer Wechselwirkung zwischen dem NS-Programm und den Anhängern entstanden, maßgeblich durch die Propaganda und die Inszenierung der Politik als Ritual geprägt. Marks kommt zu dem Ergebnis, dass die Nationalsozialisten erfolgreich überzeugten, nicht obwohl, sondern weil ihr Programm „so primitiv, pseudo-religiös, irrational, sentimental usw. war“ (43). Diesen ehemaligen NS-Anhängern habe nach 1945 dann die Scham den Blick verstellt und sie daran gehindert, ihre eigene schuldhafte Beteiligung anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Stephan Marks: Warum folgten sie Hitler? Düsseldorf: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27458-warum-folgten-sie-hitler_32173, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32173 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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