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/ 06.06.2013
Jens Benicke

Von Adorno zu Mao. Die Rezeption der Kritischen Theorie und die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit von der antiautoritären Fraktion der Studentenbewegung zu den K-Gruppen

Online-Publikation 2009 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=999695673); 319 S.
Diss. phil. Freiburg; Gutachterinnen: I. Villinger, C. Brink. – Der Autor untersucht die Aktivitäten der antiautoritär orientierten Studierenden in den 50er- und frühen 60er-Jahren in der Bundesrepublik im Hinblick auf ihre Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Dabei bedienten sie sich vorübergehend der theoretischen Konzepte der Kritischen Theorie. Nach dem Höhepunkt der Bewegung im Jahr 1968 habe ein „Zerfalls- und teilweise Traditionalisierungsprozess [begonnen], aus dem heraus sich auch autoritäre, marxistisch-leninistische Organisationen, die sog. K-Gruppen“ (6) konstituierten. Diese lehnten die Kritische Theorie fundamental ab. In der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus habe dies für die Theoriebildung der Protestbewegung eine Hinwendung zur orthodox-marxistischen Faschismusanalyse bedeutet. In ihrer Entstehungsphase hätten sie sich zwar intensiv mit den von der Kritischen Theorie stark geprägten antiautoritären Positionen auseinandergesetzt, dann aber die vor Kurzem noch von ihnen selbst vertretenen Theorien der Studentenbewegung verworfen und gar die „Liquidierung der antiautoritären Phase“ (133) gefordert. Aus der Perspektive der Kritischen Theorie zieht Benicke ein verhaltenes Fazit seiner Analyse: „Die antiautoritäre Studentenbewegung scheint also bei den meisten ihrer Protagonisten nur zu einer temporären Zurückdrängung ihrer autoritären Charakterstruktur in der Lage gewesen zu sein“ (271). Zur Frage nach der Relevanz von Ideen oder Theorien für das Handeln führt Benicke aus: „Nach Max Weber bestimmen zwar Interessen und nicht Ideen das Handeln von Menschen, aber Ideen sind oft die Weichensteller für die Bahnen, in denen sich die Dynamik der Interessen des Handelns fortbewegt“ (14). Insofern nähmen Ideen oder ein Weltbild eben doch Einfluss auf das Agieren sowohl einzelner als auch von Gruppen. Der Autor hat u. a. die Periodika der Studentenbewegung „neue kritik“, „das Argument“, „konkret“, „Kursbuch“ und „Diskus“ untersucht sowie für die K-Gruppen vor allem die „Rote Pressekorrespondenz“ und das „Rote Forum“.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3132.352.3315.425.46 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jens Benicke: Von Adorno zu Mao. 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9117-von-adorno-zu-mao_38161, veröffentlicht am 10.03.2010. Buch-Nr.: 38161 Rezension drucken
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