/ 18.06.2013
Jörg Später
Vansittart. Britische Debatten über Deutsche und Nazis 1902-1945
Göttingen: Wallstein Verlag 2003 (Moderne Zeit IV); 495 S.; geb., 46,- €; ISBN 3-89244-692-XRobert Gilbert Vansittart (1881-1957), seit 1929 ständiger Unterstaatssekretär, ab 1938 Erster Diplomatischer Berater im britischen Foreign Office und Autor der 1940 von der BBC gesendeten Radiobeiträge „Black Records", dient bis heute mit seiner deutschfeindlichen Kritik der Appeasementpolitik als ressentimentgeladene Projektionsfläche. Späters ausgezeichnete Arbeit verlässt den Boden einer Biografie und orientiert sich primär an internationaler Diplomatie- und Kulturgeschichte. So stehen die zeitgenössischen Diskussionen um Vansittarts Thesen und die Reaktion des sozialdemokratischen Exils in London auf diesen innerbritischen Deutschlanddiskurs im Mittelpunkt der Darstellung. Dem Autor gelingt es zudem, die Dialektik der prophezeienden und pathologischen Motive der Reizfigur Vansittart überzeugend darzustellen: „Im Falle Vansittarts handelte die Unvernunft im Dienste der Vernunft. Vansittart irrationalisierte den Nationalsozialismus und begriff dadurch seine immanente Ratio." (447)
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.1 | 2.61 | 2.312 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Jörg Später: Vansittart. Göttingen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19587-vansittart_22784, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22784
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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