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/ 22.06.2013
Peter H. Feindt / Thomas Saretzki (Hrsg.)

Umwelt- und Technikkonflikte

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 374 S.; 49,95 €; ISBN 978-3-531-17497-6
Umwelt- und Technikkonflikte werden von verschiedenen Konfliktkonstellationen und Lösungsstrategien begleitet. Die Autoren geben einen sehr guten Überblick zu den vielfältigen Konflikten und auch dem Umgang der Politikwissenschaft selbst mit ihnen. Jochen Roose beschäftigt sich beispielsweise mit der Frage, warum die zivile Nutzung der Atomenergie in Deutschland so konfliktträchtig ist. Sein Blick ist dabei vor allem soziologisch auf die Anti-Atom-Bewegung gerichtet. Das Parlament befasste sich erst nach dem Einzug der Grünen in den Bundestag 1983 umfassender mit der Thematik. Zugang zu politischen Beratungsgremien fanden bis 1998 lediglich Befürworter der Atomenergie. Die Heftigkeit des Konflikts erklärt der Autor mit der Wahrnehmung der Risiken als besonders schrecklich und nicht zumutbar sowie der Konzeptualisierung als absoluter Wertekonflikt. Die Frage der Zumutbarkeit, so vermutet Roose, wird auch in zukünftigen Technikkonflikten eine zentrale Rolle spielen. Er konstatiert abschließend: „Der Konflikt hat die Notwendigkeit partizipativer Verfahren bei der Errichtung technologischer Anlagen vor Augen geführt“ (99). Alexander Bogner und Wolfgang Menz werfen einen Blick auf die Bioethikkommissionen als Instrument der Bearbeitung von Wertekonflikten. Sie erläutern, dass Interessen- und Wissenskonflikte in diesem Politikbereich hinter die ethischen Kontroversen zurücktreten. Im Ergebnis kommen die Autoren zu einer interessanten Einschätzung von Ethikexpertisen: Diese würde nicht eingeholt, um definitives Entscheidungswissen zu erlangen. Vielmehr sollen sie belegen, „dass es sich um ein relevantes Problem handelt, […] das aber grundsätzlich unentscheidbar bleibt und dass es damit also des Entscheidens der Politik geradezu bedarf“ (351). Die Publikation geht aus Vorträgen einer gleichnamigen Tagung der Arbeitskreise „Umweltpolitik/Global Change“ und „Politik und Technik“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft im April 2005 an der Universität Hamburg hervor.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3412.3433.54.45 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Peter H. Feindt / Thomas Saretzki (Hrsg.): Umwelt- und Technikkonflikte Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32467-umwelt--und-technikkonflikte_38738, veröffentlicht am 30.08.2010. Buch-Nr.: 38738 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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