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/ 17.06.2013
Klaus Lichtblau

Transformationen der Moderne

Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft 2002 (Kulturwissenschaftliche Studien 8); 179 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-8257-0252-9
Neuere Diskussionen über die Frage, was die "Moderne" auszeichne, scheinen - wenigstens im deutschen Sprachraum - in zwei "völlig verschiedenen Kulturen" geführt zu werden (11). Die sozialwissenschaftliche Debatte bezieht sich - unter Rückgriff auf Gründungsväter der modernen Soziologie wie Weber oder Simmel - in der Hauptsache auf sozialstrukturelle Kategorien, demgegenüber orientieren sich die Geisteswissenschaften an einem Modernitätsbegriff, der letztlich auf die um 1900 geführte Auseinandersetzung über die Merkmale der ästhetischen Moderne verweist. Dieser Essaysammlung liegt die Überzeugung zugrunde, "daß nur eine Rekonstruktion, die sowohl die begriffsgeschichtlich feststellbare Vielfalt der Modernitätssemantik als auch die unterschiedlichen disziplinären Beschreibungen der Moderne berücksichtigt, in der Lage ist, der im Begriff der Moderne enthaltenen grundlegenden Paradoxie Rechnung zu tragen" (12). Diese Paradoxie interpretiert Lichtblau - in Anlehnung an Nietzsche - als "Entfaltung einer Differenz im Sinne einer sich ständig vermehrenden Bedeutungsvielfalt" (15). Abgesehen vom letzten Aufsatz handelt es sich bei den Beiträgen um überarbeitete Publikationen des Autors aus den Jahren 1999 und 1991. Inhalt: I. Die Selbstunterscheidungen der Moderne: 1. Das "Altern" der Moderne; 2. "Modernisierung" als Ursprungsmythos der Soziologie; 3. Die kulturellen Widersprüche zwischen Modernismus und Moderne; 4. Die Reflexivität der Moderne; 5. Die Ästhetik der Moderne. II. Die "Moderne" um 1900. Zur Physiognomie einer Epoche: 1. Das Modernitätsverständnis der ästhetischen Avantgarde; 2. Philosophische und kulturgeschichtliche Definitionen der Moderne; 3. Georg Simmels "Moderne"; 4. Das Modernitätsverständnis von Max Weber. III. Aporien des "ästhetischen Fundamentalismus": 1. Die neuromantische Bewegung um 1900; 2. Das kulturpolitische Programm des Eugen-Diederichs-Verlags; 3. Die Neubewertung der Romantik in der Weimarer Republik. IV. Politische Mythologie. Zur Rekonstruktion des Weltanschauungsmythos als epochaler Kategorie im Horizont des Nihilismus der Moderne: 1. Allgemeine Probleme der Mythenrezeption; 2. Das Programm einer "Neuen Mythologie"; 3. Der Mythos des Generalstreiks; 4. Die Bedeutung des Weltanschauungsmythos im 20. Jahrhundert. V. Soziologie und Zeitdiagnose oder: Die Moderne im Selbstbezug: 1. POSTmodernISMUS; 2. Neuzeit und Moderne; 3. Momentbilder sub specie aeternitatis; 4. Posthistoire; 5. Die Paradoxie der Zeit. VI. Postskriptum: Auf dem Weg in eine andere Moderne? 1. Wie die Soziologie allmählich ihren Gegenstand zu verlieren droht; 2. "Einfache" versus "reflexive Modernisierung"; 3. Jenseits von Klasse und Schicht?; 4. Die Entstaatlichung der Vergesellschaftung.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.422.23 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Klaus Lichtblau: Transformationen der Moderne Berlin/Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16316-transformationen-der-moderne_18729, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18729 Rezension drucken
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