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/ 18.06.2013
Ulrich Thiele

Repräsentation und Autonomieprinzip. Kants Demokratiekritik und ihre Hintergründe

Berlin: Duncker & Humblot 2003 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 126); 136 S.; 55,80 €; ISBN 3-428-10967-8
Gegen die vorherrschende These, Kant gehöre zu den geistigen Vätern eines rein-parlamentarischen Demokratiemodells, versucht der Autor den Nachweis zu führen, dass sich im Rückgriff auf Kant eine mehrdimensionale Theorie demokratischer Gesetzgebung entwerfen lasse, die plebiszitäre Verfahren miteinschließe. „Repräsentation", von vielen Interpreten als einer der Schlüsselbegriffe der kantischen politischen Philosophie begriffen, werde bei Kant an den entscheidenden Textpassagen nicht als vernunftrechtliches Prinzip, sondern als pragmatisches, d. h. aus Klugheitserwägungen folgendes politisches Organisationsprinzip begriffen. Es sei ein „mehr oder minder taugliches Mittel, um unter idealwidrigen Bedingungen dem Autonomieideal indirekt Genüge zu tun" (93). Vielmehr entspreche umgekehrt die nichtrepräsentative Form der Gesetzgebung der eigentlichen normativen Dimension der Republik. Auch wer diese radikaldemokratische Kantinterpretation nicht teilt, kann Thieles Studie mit Gewinn lesen. Die terminologischen Analysen der kantischen politischen Schriften, die streng zwischen Staatsform, Regierungsform, Regierungsart, Gewaltenteilung und Repräsentation unterscheiden, sind nämlich auch unabhängig von der starken Leitthese des Autors lesenswert und erhellen jede - auch die orthodoxe - Kantinterpretation und -lektüre.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Ulrich Thiele: Repräsentation und Autonomieprinzip. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18766-repraesentation-und-autonomieprinzip_21769, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21769 Rezension drucken
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