/ 20.06.2013
Michael Erler
Platon
München: C. H. Beck 2006 (Beck'sche Reihe: Denker 573); 253 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-406-54110-0Die „Frage nach dem Glück, nach der Gerechtigkeit, nach dem geordneten Zusammenleben in einem Gemeinwesen und nach der Bedeutung von Erziehung und Kunst für den Menschen“ (11) beschreibt Erler, Professor für Gräzistik in Würzburg, als zentralen Kern des vollständig überlieferten Werkes Platons. Indem er diese Schriften in das familiäre Umfeld des antiken Philosophen und die von großen Umbrüchen geprägten politischen Umstände jener Zeit einordnet, zeigt Erler, dass es Fragen gibt, die aus spezifischen Umständen heraus entstehen, aber allgemein gültig sind. Ganz sicher gehört Platons zentrale Frage – „wie soll ich leben?“ (44) – dazu. Sie ist zugleich der Schlüssel für die „Politea“, dem Hauptwerk. Erler interpretiert im Rahmen des platonischen Gedankengebäudes den staatstheoretischen Ansatz in der „Politea“ als nur einen Gesichtspunkt; eigentlicher Ausgangspunkt der Überlegungen sei die individualethische Frage nach der Gerechtigkeit des Einzelnen – die Polis erscheint zur besseren Erklärung der Überlegungen als Parallele der Seele. Erler zieht von der Idee Platons, dass es objektiv existierende Wertstandards geben könnte, eine Linie zu modernen Bemühungen, interkulturell akzeptierte Standards zu etablieren. Platons Überlegungen wurzelten allerdings auf seiner Erkenntnis, dass das Todesurteil für Sokrates nicht ein einmaliger Missgriff gewesen sei, sondern begründet im prinzipiellen Versagen der Politik als Folge einer falschen Auffassung von Gerechtigkeit. Deren Vorgaben seien nicht durch demokratische Abstimmung zu erfüllen. Dennoch sei die „Politea“ keinesfalls nur eine „totalitäre Programmschrift“ (so der berühmte Vorwurf von Sir Karl Popper, 184). Erler stellt das platonische Werk vor allem in seinen historischen Kontext und vermittelt die Bedeutung der als Dialoge abgefassten Schriften, die er als „literarische Kunstwerke“ (45) beschreibt. In den Gesprächen des (mehr fiktiven denn historischen) Protagonisten Sokrates sei eine Philosophie entwickelt worden, die durch ihre absichtlichen Lücken die Leser zu Diskussionen und eigener Erkenntnis habe anregen wollen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.31
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michael Erler: Platon München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25778-platon_29924, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29924
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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