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/ 18.06.2013
Walter Ötsch / Stephan Panther (Hrsg.)

Ökonomik und Sozialwissenschaft. Ansichten eines in Bewegung geratenen Verhältnisses

Marburg: Metropolis-Verlag 2002; 390 S.; 36,80 €; ISBN 3-89518-377-6
In der wirtschaftswissenschaftlichen Orthodoxie dürfte nach wie vor die Haltung anzutreffen sein, derzufolge die Differenz zwischen Sozialwissenschaften und Ökonomik nicht allein auf unterschiedlichen Fragestellungen und Gegenstandsbereichen beruhe, sondern die Ökonomik aus methodologischen Gründen auch über eine höhere Erklärungskraft verfüge. Aus der Sicht heterodoxer Ökonomen - und die Mehrheit der Autoren des Bandes kann dazu gezählt werden - ist jedoch gerade das diesem Anspruch zugrunde liegende handlungstheoretische Modell des Homo oeconomicus in Erklärungsnöte geraten. In erster Linie sind es Fragen der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten, die ein komplexeres Verständnis jenseits des engen utilitaristischen Rationalitätskalküls erfordern. Dazu gehören typischerweise nicht-ökonomische Voraussetzungen ökonomischen Handelns wie Normen, Institutionen oder gering formalisierte Interaktionszusammenhänge in Gestalt des Sozialkapitals. An Themen wie diesen wollen die Autoren die "produktiven Potentiale eines anwendungsorientierten Dialogs" zwischen Ökonomik und Sozialwissenschaften demonstrieren. Entstanden ist der Sammelband aus einer im Herbst 2000 in Strobl am Wolfgangsee durchgeführten Tagung des Arbeitskreises "Politische Ökonomie". Inhalt: Walter Ötsch / Stephan Panther: Ökonomie und Sozialwissenschaft. Ansichten eines in Bewegung geratenen Verhältnisses (7-18). Normen und Soziale Beziehungen als Herausforderung der Ökonomik: Hannelore Weck-Hannemann: Chancen und Grenzen einer anreizorientierten Umweltpolitik (21-51); Uwe Blien: Sein oder Sollen - Wie sind Normen und Moral zu erklären? (53-80); Claus Thomasberger: Menschliches Handeln und marktwirtschaftliche Strukturen. Traditionelle Neoklassik, ökonomischer Ansatz und sozioökonomische Gegenbewegungen (81-118); Gerd Grözinger: Makroökonomik der Seele? Über den Zusammenhang von Ungleichheit, Sozialkapital und Gesundheit (119-153); Stephan Panther: Sozialkapital. Entwicklung und Anatomie eines interdisziplinären Konzepts (155-176). Diskurs, Kultur und Kognition als Herausforderung der Ökonomik: Ingrid Zoll: Zwischen öffentlicher Meinung und ökonomischer Vernunft. Individuelle Meinungen über Globalisierung und Wettbewerb (179-210); Anne van Aaken: Deliberative Institutionenökonomik oder: Argumentiert der homo oeconomicus? Entwurf zu einer Kombination von Institutionenökonomik und Diskurstheorie (211-251); Horst Hegmann: Kulturen der Geldpolitik. Ein Fallbeispiel zur Komplementarität von Wissenssoziologie und Theorie rationalen Handelns (253-279); Walter Ötsch: Ökonomische Akteure. Kulturhistorische Beispiele zum Wandel von Subjekt-Konzepten (281-297). Gegenentwürfe: Ökonomik als Sozialwissenschaft: Stefan Okruch: Das Elend der theoretischen Wirtschaftspolitik - gibt es einen "evolutorischen" Ausweg? (301-325); Norbert Reuter: "Mikroverhalten" im gesamtwirtschaftlichen Kontext. Adolf Lowes "Politische Ökonomik" im Kontext der Neuen Institutionenökonomik (327-352); Karl-Heinz Brodbeck: Wirtschaft als kreativer Prozess. Beiträge zu einer postmechanischen Ökonomie (353-376).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.15.452.261 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Walter Ötsch / Stephan Panther (Hrsg.): Ökonomik und Sozialwissenschaft. Marburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17303-oekonomik-und-sozialwissenschaft_19907, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19907 Rezension drucken
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