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/ 11.06.2013
Jaroslav Kucera

Minderheit im Nationalstaat. Die Sprachenfrage in den tschechisch-deutschen Beziehungen 1918-1938

München: R. Oldenbourg Verlag 1999 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 43); X, 328 S.; 128,- DM; ISBN 3-486-56381-5
Die Studie entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes des Instituts für Zeitgeschichte zu den deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 bis zum Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit der zeitgleich erschienenen Arbeit Christoph Boyers "Nationale Kontrahenten oder Partner?", die wirtschaftliche Aspekte des Nationalitätenkonflikts in der CSR beleuchtet, zielen beide Untersuchungen auf die Überprüfung immer noch lebendiger Klischees vom "rabiaten tschechischen Chauvinismus" oder der Verklärung der ersten Republik als einem "nationalitätenpolitischen 'Musterknaben'" (VII). Kucera analysiert in einem ersten Teil die Entwicklung der Sprachengesetzgebung als den Prozeß hin zu einem "hart erkämpften Kompromiß" (6). Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Funktionalisierung des Sprachproblems durch die unterschiedlichen politischen Kräfte. In einem zweiten Teil werden Sprachenrecht und Sprachpraxis anhand von ausgewählten Beispielen ins Verhältnis gesetzt. Hierbei wird den Partizipationsmöglichkeiten und -beschränkungen der sprachlichen Minderheiten nachgegangen, insbesondere der Frage nach der Chancengleichheit für Staatsangestellte. Drängte die Sprachregelung zunächst viele Deutsche aus dem Staatsdienst hinaus, war es dennoch den deutschen Parteien durch die Regierungsbeteiligung ab 1926 wieder verstärkt möglich, auf die Sprachenfrage einzuwirken. Mit den Ereignissen 1938/39 endete schließlich "ein im mitteleuropäischen Kontext der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keineswegs übliches Experiment, nämlich die Sprachenfrage in einem multiethnischen Staat unter den Bedingungen eines demokratischen politischen Systems zu regeln" (307). Die Studie stützt sich auf umfangreiches, erstmals ausgewertetes Quellenmaterial tschechischer, deutscher und österreichischer Archive.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.622.311 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Jaroslav Kucera: Minderheit im Nationalstaat. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9887-minderheit-im-nationalstaat_11661, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11661 Rezension drucken
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