Skip to main content
/ 12.06.2013
Frauke Höntzsch (Hrsg.)

John Stuart Mill und der sozialliberale Staatsbegriff

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2011 (Staatsdiskurse 18); 219 S.; 40,- €; ISBN 978-3-515-09923-3
Im 21. Jahrhundert hat der Staat eine neue Form angenommen. Manche sagen, er habe nach außen hin an Kontur verloren, andere behaupten, er habe an Wirkungsmacht im Inneren keineswegs nachgelassen. In Anbetracht dieser aktuellen Gemengelage werfen die Autoren dieses Sammelbandes einen Blick zurück auf die sozialliberale Konzeption des Staates bei John Stuart Mill. Dirk Lüddecke beschreibt dahingehend Mills Verständnis von Individuum und Staat in Form des Individualismus als ethischem Ideal im Spannungsfeld seiner Wissenschaftstheorie. Dem Individuum als konstituierendes Element des Staates, so Lüddecke, stehe bei Mill die Masse gegenüber, die den Staat trägt und durch ihre Vorhersagbarkeit die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Untersuchung erst eröffne. Wo Mill also selbst einen Perikles erwarte, sei Konformitätsdruck und Klassenherrschaft die von ihm erkannte Regel. Den „ethischen Individualismus“ und den „Optimismus seiner Wissenschaftstheorie“ erkennt Lüddecke damit als „tragische Antinomie“ (26). Weniger tragisch als vielmehr prophetisch scheinen die Thesen des Stationary State, die Mill in seinen „Principles of Political Economy“ skizziert. Karl Georg Zinn findet in dem Konzept des Stationary State einen validen und alternativen Entwicklungspfad für die heutige durch Wachstumswahn geprägte Zeit. Zugespitzt fasst er die Thesen in der Formel einer nachhaltigen Wirtschaft zusammen, die im Gegensatz zu einer ständig und um jeden Preis auf Profitmaximierung abzielenden Ökonomie steht. Dabei betont er nach einer kurzen Rekapitulation der Rezeptionsgeschichte von Mills Konzept die tagesaktuelle Bedeutung dieser wachstumskritischen staatlichen Alternativkonstruktion. Der Band wird abgerundet mit Beiträgen über Mills Verständnis vom Pluralwahlrecht und der Emanzipation der Frau und bietet damit einen gelungenen Überblick über viele verschiedenen Facetten des Mill’schen Staatsbegriff.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.335.41 Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Frauke Höntzsch (Hrsg.): John Stuart Mill und der sozialliberale Staatsbegriff Stuttgart: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14507-john-stuart-mill-und-der-sozialliberale-staatsbegriff_41638, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 41638 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA