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/ 21.06.2013
Patrick Hein

How the Japanese Became Foreign to Themselves. The Impact of Globalization on the Private and Public Spheres in Japan

Münster: Lit 2009; 234 S.; pb., 34,90 €; ISBN 978-3-643-10085-6
Ein im engeren Sinne politikwissenschaftliches Buch hat der in Japan lebende Politikwissenschaftler und Journalist nicht geschrieben. Sein Interesse ist sehr viel breiter: Er will den Einfluss der Globalisierung auf alle Bereiche der japanischen Gesellschaft in historischer Perspektive analysieren. Sein Buch soll dazu beitragen, das Bild eines „multikulturellen japanischen Bürgers“ (14) zu entwerfen, der seine Identität aus dem gemeinsamen kulturellen Erbe des Ostens und des Westens gewinnt und so die negativen Folgen der Globalisierung und auch die tief verankerte politische Passivität überwindet. Heins kritische Grundeinstellung zu der vorherrschenden, einseitig auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Globalisierung ist nicht zu übersehen: Er hält die Wirtschaft und die Bürokratie für die großen Profiteure, die Gesellschaft müsse den Preis in Form von zunehmender Kriminalität, psychischen Erkrankungen, vermehrter Gewalt und höheren Selbstmordzahlen entrichten. Hein sieht aber auch Anzeichen für einen Gegenprozess in Japan: In der zunehmenden Bedeutung von NGOs und in dem Ruf nach mehr politischer Partizipation erkennt er eine Rückbesinnung auf ethische Prinzipien aus der Welt der Samurai vor dem Meiji-Zeitalter. Ihrer Erläuterung ist auch der Großteil des ersten Kapitels gewidmet. Interessant sind dabei die Parallelen, die Hein zwischen Hannah Arendts Unterscheidung von privatem und öffentlichem Raum sowie dem griechischen politischen Denken auf der einen Seite und ganz ähnlichen Elementen im Denken einiger japanischer Autoren zieht. Diesen Argumentationsstrang verlässt Hein dann im zweiten Kapitel, das diverse Betrachtungen über psychische Erkrankungen und ihre Behandlung in Japan enthält. Im letzten Abschnitt geht es dann wieder um ein politisches Thema: die stark auf Technik fixierte japanische Öffentlichkeit und die Rolle von NGOs bei dem Versuch, von dem umweltfreundlicheren Lebensstil der Vor-Meiji-Zeit zu lernen. Am Ende stellt Hein eine Liste von 20 Forderungen auf, die das herbeiführen sollen, was er für unabdingbar hält: „Japan needs a radical, inspiring refocus and reorientation rooted in its humanistic pre-Meiji traditions.“ (189)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.682.22.222.232.2615.345.42 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Patrick Hein: How the Japanese Became Foreign to Themselves. Münster: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31028-how-the-japanese-became-foreign-to-themselves_36881, veröffentlicht am 28.09.2010. Buch-Nr.: 36881 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA