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/ 03.06.2013
Roland W. Schindler

Geglückte Zeit - gestundete Zeit. Hannah Arendts Kritik der Moderne

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1996; 297 S.; 58,- DM; ISBN 3-593-35605-8
Anders als viele zeitgenössische Interpreten konzentriert sich Schindler bei seiner Deutung des Arendtschen Werkes nicht auf die Studie Vita activa, sondern unternimmt den Versuch, ausgehend von Arendts Theorie totalitärer Herrschaft die Einheit ihres Werkes zu rekonstruieren. Dementsprechend nimmt die Darstellung und Diskussion der Totalitarismuskonzeption Arendts einen erheblichen Teil des Buches ein (52-125). Leider versäumt es Schindler, Arendts Konzeption im Lichte der aktuellen Totalitarismusdebatte zu diskutieren. Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Entfaltung des Arendtschen Arbeitsbegriffs (126-189). Vor dem Hintergrund dieser Rekonstruktionen deutet Schindler Arendts Kritik der Moderne. Indem er in diesem Kontext bei Arendt Parallelen zu und verwandte Sichtweisen bei Weber, Habermas oder Beck nachzuzeichnen unternimmt, sucht er den Antimodernismusvorwurf gegenüber Arendt zu entkräften. Zwar ist seine Beweisführung hier in einigen Punkten so wenig überzeugend wie seine Grundannahme der Einheit des Arendtschen Werkes. Jedoch ist es zum einen ein Verdienst Schindlers, den Fragehorizont gegenüber dem Werk der Philosophin in fruchtbarer Weise ausgeweitet und gezeigt zu haben, daß das Denken Arendts durchaus aktuell und reich an weiterzudiskutierenden Ideen ist. Zum anderen gelingt es dem Autoren, einige der gängigen Kritiken gegenüber Arendt zu entkräften.
Michael Henkel (MH)
Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.4 Empfohlene Zitierweise: Michael Henkel, Rezension zu: Roland W. Schindler: Geglückte Zeit - gestundete Zeit. Frankfurt a. M./New York: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2221-geglueckte-zeit---gestundete-zeit_2704, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 2704 Rezension drucken
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