/ 22.06.2013
Jens Naß
Eskalation des Terrors? Über das Anschlagsrisiko mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Waffen oder Stoffen
Marburg: Tectum Verlag 2010 (Politikwissenschaften 30); 125 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2363-1Politikwiss. Masterarbeit. – Nach dem Anschlag der Aum-Sekte 1995 mit Saringas in Tokio, dem Versenden von Milzbranderregern nach den Anschlägen von 2001 in den USA oder dem Flüssiggasanschlag auf Djerba 2002 ist das Risiko derartiger Anschläge nicht mehr wegzudiskutieren. Der Autor attestiert dem Terrorismus in jüngerer Zeit sogar eine Tendenz zu steigenden Opferzahlen und spektakulären Anschlagsszenarien. In seiner Einleitung bezeichnet er die entsprechenden Stoffe dann auch grundsätzlich als „‚ideale Waffen‘ für terroristische Gruppierungen“ (15). Er bewertet das Risiko anhand verschiedener Vorbedingungen: Sind Motivation und Zielsetzung der Terroristen deckungsgleich mit den zu erwartenden Folgen, ist die Beschaffung von Waffen oder Stoffen möglich und sind der Prävention enge Grenzen gesetzt, so ist von einem hohen Risiko auszugehen, vermutet Naß. Dass die Gesellschaft zudem stark auf einen solchen Anschlag reagieren würde, setzt er voraus. Dabei zeigt seine Untersuchung, dass die unterschiedlichen Stoffe verschiedene Risikopotenziale aufweisen. Zu Nuklearwaffen resümiert der Autor, dass nicht abschließend geklärt werden könne, „ob eine unbestimmte Anzahl Nuklearminen während des Zerfalls der Sowjetunion abhanden gekommen sind“ (39). Dennoch bezeichnet er das Risiko der Beschaffung einer Nuklearwaffe durch Terroristen als äußerst gering. Höher sei das Risiko bei radiologischen Waffen, die leichte Zugänglichkeit von Strahlern im medizinischen, wissenschaftlichen und industriellen Bereich lasse sich kaum kontrollieren. Mit Blick auf potenzielle Tätergruppen erläutert Naß, dass ethnisch-nationalistische, sozialrevolutionäre oder auch Rechtsterroristen den Einsatz von CBRN-Waffen eher vermeiden würden, da dies ihren Zielen zuwiderliefe. Die große Gefahr sieht er im religiösen Fundamentalismus, der auf die „‚Sozialverträglichkeit‘ der Taten keine Rücksicht“ nehme, zudem zähle Deutschland zu den „zentralen Zielnationen“ (83).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.37 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jens Naß: Eskalation des Terrors? Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32972-eskalation-des-terrors_39388, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 39388
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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