Skip to main content
/ 17.06.2013
Nadine E. Herrmann

Entstehung, Legitimation und Zukunft der konkreten Normenkontrolle im modernen Verfassungsstaat. Eine verfassungsgeschichtliche Untersuchung des richterlichen Prüfungsrechts in Deutschland unter Einbeziehung der französischen Entwicklung

Berlin: Duncker & Humblot 2001 (Schriften zur Verfassungsgeschichte 64); 205 S.; 56,- €; ISBN 3-428-10533-8
Rechtswiss. Diss. Marburg; Gutachter: W. Frotscher, S. Buchholz. - Die Verankerung der konkreten Normenkontrolle im Grundgesetz, also die richterliche Überprüfung einer Norm an höherrangigem Recht und insbesondere an der Verfassung gilt in Deutschland als ein wesentliches Element der reibungslosen Funktion des Rechtsstaates. Die Kompetenz zur Prüfung und Verwerfung einer Rechtsnorm wird dem Bundesverfassungsgericht zugeschrieben, welches davon selbstbewusst Gebrauch macht. Die Frage, warum ein nicht demokratisch legitimiertes Gericht über dem Gesetzgeber steht, ist nicht mehr umstritten, auch wenn die Erörterung - insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung einer europäischen Rechtsordnung - viel mehr als ein ausschließlich akademisches Problem zu sein scheint: Sowohl Frankreich als auch Großbritannien, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen, kennen ein solches Rechtsinstitut repressiver richterlicher Normenkontrolle nicht und dennoch kommen keine Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der beiden staatlichen Ordnungen auf. Vielmehr stellt sich die außerordentlich interessante Frage nach dem verfassungsgeschichtlichen Ursprung der konkreten Normenkontrolle in Deutschland, welche die Autorin in dieser rechtshistorischen Arbeit zu beantworten sucht. "Verfolgt werden soll - unter vergleichender Einbeziehung der französischen Verfassungsgeschichte - die Entwicklung der heute als richterliche Normenkontrolle angesprochenen Rechtsphänomene in der Zeit vom Hl. Römischen Reich Deutscher Nation bis in die Gegenwart." (22) Ein Blick auf den gegenwärtigen Stand der konkreten Normenkontrolle im Verfassungsrecht Deutschlands und Frankreichs unter Einbeziehung einer europäischen Perspektive bildet den Abschluss der Arbeit. Inhaltsübersicht: Richterliche Normenkontrolle im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation; Der deutsche Konstitutionalismus; Das richterliche Prüfungsrecht in der Frankfurter Reichsverfassung; Richterliche Normenkontrolle in den Reaktionsjahren am Beispiel des Kurhessischen Verfassungskonflikts; Das Deutsche Kaiserreich (1871-1918); Das richterliche Prüfungsrecht in der Weimarer Republik; Das richterliche Prüfungsrecht im nationalsozialistischen Staat; Die Entwicklung der richterlichen Normenkontrolle in Frankreich; Das richterliche Prüfungsrecht in der deutschen und französischen Verfassungsgeschichte - Eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse; Die Entwicklung des richterlichen Prüfungsrechts im gegenwärtigen Verfassungsrecht Deutschlands und Frankreichs.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.212.322.312.61 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Nadine E. Herrmann: Entstehung, Legitimation und Zukunft der konkreten Normenkontrolle im modernen Verfassungsstaat. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16393-entstehung-legitimation-und-zukunft-der-konkreten-normenkontrolle-im-modernen-verfassungsstaat_18823, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18823 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA