/ 22.06.2013
Marcel Viëtor (Hrsg.)
Energiesicherheit für Europa. Kernenergie und Erdgas als Brückentechnologien
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (DGAP-Schriften zur Internationalen Politik); XXIV, 110 S.; 19,- €; ISBN 978-3-8329-6584-6Nach einem Szenario der Internationalen Energie Agentur (IEA) werden im Jahr 2030 noch 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs durch fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Erdgas gedeckt. Einem leichten Rückgang bei der Nutzung fossiler Energieträger in der EU steht ein starker Nachfragezuwachs in China, Indien und dem Mittleren Osten gegenüber. Marcel Viёtor ist davon überzeugt, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis der steigende Energiebedarf durch eine größere Energieeffizienz und die nationale Nutzung erneuerbarer Energien ausgeglichen werden kann. So seien es vor allem Kernenergie und Erdgas, die als strategische Ressourcen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes infrage kämen. Mit dem Ziel, der gesellschaftlichen Diskussion eine umfassende Argumentationsgrundlage zu bieten, erörtert Viёtor die Vor- und Nachteile der Kernenergie und der Erdgasnutzung. Der Autor entfaltet die komplexe energiepolitische Gemengelage mit Blick auf die Voraussetzungen in den EU-Mitgliedstaaten. Er kommt zu dem Ergebnis, dass beide Energieformen über Vor- und Nachteile verfügen. Darüber hinaus sei die Ausgangslage in den von ihm untersuchten europäischen Staaten Deutschland, Finnland, Frankreich, Schweden und Spanien sehr unterschiedlich. So decke Frankreich rund 40 Prozent seiner jährlichen Energieversorgung durch Kernenergie ab, der Erdgasanteil betrage nur 14 Prozent. In Bezug auf die Zustimmung der Bevölkerung verkehrten sich allerdings die Werte, denn die Mehrheit befürworte die Nutzung von Erdgas. Im Gegensatz dazu betrage der Anteil der Kernenergie am deutschen Verbrauch lediglich 11, der des Erdgases 22 Prozent. Dennoch würden Deutsche die Kernenergie weitaus kritischer bewerten als Franzosen. Um umweltpolitische Fortschritte im Bereich der europäischen Energienutzung erzielen zu können, fordert Viёtor einen offenen politischen Diskurs aller gesellschaftlichen Akteure.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.263 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Marcel Viëtor (Hrsg.): Energiesicherheit für Europa. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34132-energiesicherheit-fuer-europa_40939, veröffentlicht am 13.10.2011.
Buch-Nr.: 40939
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