/ 17.06.2013
Andreas L. Paulus
Die internationale Gemeinschaft im Völkerrecht. Eine Untersuchung zur Entwicklung des Völkerrechts im Zeitalter der Globalisierung. The "International Community" in Public International Law: English Summary
München: C. H. Beck 2001 (Münchener Universitätsschriften: Reihe der Juristischen Fakultät 159); XXII, 495 S.; kart., 69,- €; ISBN 3-406-47702-XRechtswiss. Diss. - Paulus will „die außerrechtlichen und völkerrechtlichen Aspekte des Begriffs [der internationalen Gemeinschaft] aufeinander [beziehen] und auf diesem Wege sowohl einen Eindruck vom Einfluss der Globalisierung auf das Völkerrecht wie auch eine Darstellung vom Bild des Völkerrechts von der internationalen Gemeinschaft [...] erhalten" (VII). Hinter dieser schematisch klingenden Beschreibung findet sich in den einzelnen Unterkapiteln tatsächlich nahezu alles, was man zur „state of the art" beziehungsweise „art of the state" im Zeitalter der Globalisierung und mit einer auf völkerrechtliche Relevanz zugespitzten Fragestellung in Betracht ziehen kann: liberale und kommunitaristische Modelle, Diskursethik und klassische Soziologie, postmoderne Philosophie und Kosmopolitismus, Neoliberalismus und Englische Schule, um nur einige zu nennen. Der zweite (völkerrechtliche) Teil ist ähnlich umfassend angelegt und bietet in seinen Ausführungen zum Fall Pinochet, zum ius cogens, zu den Verpflichtungen erga omnes, zur Konstitutionalisierungsthese im Kontext der UN-Charta, zu den Gemeinschaftswerten im Völkerrecht oder zum Kosovo-Konflikt jeweils eigenständig lesbare Bausteine und Orientierungen in breit ausgewerteter Literatur. Nicht zuletzt deswegen ist das Buch - fast schon im Sinne eines Lehrbuchs zum Völkerrecht im Zeitalter der Globalisierung - auch und gerade für politikwissenschaftliche Leser höchst aufschlussreich. In der Bilanz verweist Paulus auf die weiterhin dominante Rolle der Staaten in der internationalen Politik und für das Völkerrecht. Gleichzeitig belegt die materialreiche Arbeit: Eine ganze Reihe von Phänomenen und Ereignissen der internationalen Politik wie des Völkerrechts im engeren Sinne sind ohne eine legitimierende und agierende Bezugsgröße wie die der internationalen Gemeinschaft schlichtweg nicht denkbar - das Statut des Internationalen Strafgerichtshofes mag in mancher Hinsicht nur eine weitere Manifestation dieses Umstands sein.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Andreas L. Paulus: Die internationale Gemeinschaft im Völkerrecht. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15831-die-internationale-gemeinschaft-im-voelkerrecht_18069, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18069
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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