/ 21.06.2013
Rupert Simon
Die Begriffe des Politischen bei Carl Schmitt und Jacques Derrida
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 552); 216 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-631-57093-7Politikwiss. Diss. München; Gutachter: H. Ottmann. – Im Zentrum steht der Vergleich von Schmitts „Begriff des Politischen I & II“ mit Derridas „Gesetzeskraft“ und „Politik der Freundschaft“. Dies ist aufschlussreich, weil Derrida und der Postmoderne insgesamt häufig neokonservative Tendenzen sowie eine Nähe zu Schmitt vorgeworfen werden – eine Position, die sich etwa durch die Arbeiten von Mouffe noch bestätigt fühlt. Zunächst untersucht der Autor die Kritik des Politischen, um sich dann dem Begriff des Politischen zu widmen und schließlich neuere Rezeptionslinien anhand der Diskussion um den Präventivkrieg zu bestimmen. Gemeinsam ist beiden Philosophen die Diagnose, dass die Moderne durch ihre einseitige Orientierung am Liberalismus, Rationalismus und Technizisimus zur Krise des Politischen führt, die nur durch einen theologisch-apokalyptischen Rückgriff überwunden werden könne. Dieser Rekurs fällt jedoch nach Simon konträr aus: Während Schmitts katechontische Apokalyptik die Erlösung von oben erwartet, zielt die messianische Apokalypse Derridas auf eine Apokalyptik von unten, indem er entgegen Schmitt Homogenitätskonstruktionen durch den Begriff des Anderen (Lévinas) auflöst. Deshalb steht der Begriff des gerechten Friedens bei ihm im Mittelpunkt. Dagegen ist für Schmitt der Andere stets als Feind definiert, um letztlich die politische Homogenität erst zu erzeugen, sodass für ihn ein öffentlicher Freund letztlich unauffindbar bleiben muss. Die Pointe dieses zutiefst amoralischen Politikbegriffs liegt in der Weigerung, den Feind ethisch oder juristisch als Verbrecher zu definieren. Aus diesem Grund erscheinen Simon beide (aus unterschiedlichen Gründen) als Gegner der interventionistischen Politik und des Präventivkrieges, was für Derrida sofort einleuchtet, jedoch bei Schmitt – dem der Autor die Anerkennung des Souveränitätsprinzips unterstellt – nicht unumstritten sein dürfte.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Rupert Simon: Die Begriffe des Politischen bei Carl Schmitt und Jacques Derrida Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29056-die-begriffe-des-politischen-bei-carl-schmitt-und-jacques-derrida_34314, veröffentlicht am 24.06.2008.
Buch-Nr.: 34314
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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