/ 21.06.2013
Sebastian Ziegaus
Die Abhängigkeit der Sozialwissenschaften von ihren Medien. Grundlagen einer kommunikativen Sozialforschung
Bielefeld: transcript 2009 (Sozialtheorie); 398 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-8376-1318-6Diss. Erfurt; Gutachter: M. Giesecke, F. Ettrich. – Der Autor ergründet die „medialen und kommunikativen Bedingungen [...], unter denen die Sozialforschung operiert“ (17). Er fragt, welche Rolle die unterschiedlichen – technischen wie nichttechnischen – Medien in der Sozialforschung einnehmen, wie sie in Beziehung zueinander stehen und welche Kommunikationsmodelle den verschiedenen Methoden zugrunde liegen. Zieghaus geht in mehreren Schritten vor: Erstens werden die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung aufgearbeitet. Zweitens erfolgt eine Analyse der Verfahren und Methoden „aus einer komplexitätstheoretischen Perspektive“ (153). Eine Hauptthese lautet dabei, dass Sozialforschung immer auch bedeute, selbst komplexe Kommunikationssysteme herzustellen und dass diese Kommunikationssysteme konstituierendes Merkmal der Sozialforschung seien. Vor diesem theoretischen Hintergrund folgen, drittens, drei Fallstudien (Validität, Daten, Zählen und Erzählen), in denen Schlüsselkonzepte der Sozialforschung eingehend geprüft werden. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass das, was als Validität angesehen wird, sich nach den jeweils verwendeten Methoden und Medien richtet. Und die Strategie des Zählens erweist sich nicht als autonomes Verfahren, sondern ist „immer nur im Wechselspiel mit Erzählen möglich“ (314); eine Unterscheidung zwischen quantitativer und qualitativer Sozialforschung sei somit nicht aufrecht zu erhalten. Als Synthese seiner Überlegungen und Erkenntnisse entwickelt der Autor, viertens, ein Modell, mit dem sozialwissenschaftliche Forschung als Kommunikation beschrieben werden kann. Es enthält die drei Dimensionen Informationsverarbeitung, Vernetzung und Spiegelung, die „nur zusammen betrachtet“ (350) werden können. Der Autor wirbt für eine neue Selbstbeschreibung und eine neue Vision der Sozialwissenschaften. „Die Einsicht in die Abhängigkeit der Sozialwissenschaften von ihren Medien ist der erste Schritt in Richtung eines selbstbewussten Umgangs mit ihnen und einer bewussten Gestaltung von sozialwissenschaftlichen Forschungsprozessen.“ (351)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.2 | 1.2
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Sebastian Ziegaus: Die Abhängigkeit der Sozialwissenschaften von ihren Medien. Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31552-die-abhaengigkeit-der-sozialwissenschaften-von-ihren-medien_37575, veröffentlicht am 01.04.2010.
Buch-Nr.: 37575
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA