/ 17.06.2013
Günter Rohrmoser
Deutschlands Tragödie. Der geistige Weg in den Nationalsozialismus. Hrsg. von Michael Grimminger
München: Olzog 2002; 442 S.; hardc., 39,90 €; ISBN 3-7892-8074-7Die Grundfragen fasst der Autor so zusammen: „Warum sind die Deutschen in ihrer Mehrheit dem ‚Führer' und seiner Politik mit Begeisterung gefolgt? Wie konnte es ausgerechnet im Land der ‚Dichter und Denker' zum Nationalsozialismus kommen? Worin besteht das Wesen des Nationalsozialismus?" (9) Der Text basiert auf Vorlesungen, die Rohrmoser in den Jahren 1989 bis 1995 in Stuttgart und Hohenheim gehalten hat. Seine Position ist einleuchtend: Den Nationalsozialismus in seinen politischen Dimensionen versteht und begreift man aus der Sicht des verlorenen Ersten Weltkrieges. Geistesgeschichtlich greift Rohrmoser allerdings weiter zurück. Er befasst sich mit dem von Nietzsche formulierten Dekadenzproblem, das der Nationalsozialismus z. B. durch „Rassenzüchtung" (268) zu überwinden suchte. Ebenso fügt Rohrmoser Heidegger, Jünger und Spengler ein, die er einerseits in der Tradition Nietzsches sieht, die aber andererseits im Rahmen der Konservativen Revolution Nietzsches Philosophie entchristlichten und dadurch das Dekadenzproblem naturalisierten. „Dekadenz ist in dieser naturalistischen Sicht dann gegeben, wenn, biologisch gesehen, ein niederer Typus Mensch über den höheren Typus triumphiert." (434) Vor diesem Hintergrund bietet Rohrmoser eine bemerkenswerte Geistesgeschichte zur Vorgeschichte des Nationalsozialismus.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312 | 5.4
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Günter Rohrmoser: Deutschlands Tragödie. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16307-deutschlands-tragoedie_18719, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18719
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Dr., Historiker.
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