/ 22.06.2013
Florian Angerer
Der konventionelle Enthauptungsschlag im Kontext moderner Kriege. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte
Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich 2010 (Strategie und Konfliktforschung); X, 265 S.; 52,- €; ISBN 978-3-7281-3316-8Diss. Zürich; Gutachter: A. A. Stahel, D. Ruloff. – Nach einer technischen Bestandsaufnahme von Waffensystemen und Luftfahrttechnik stellt Angerer fest, dass die USA, Großbritannien, Frankreich und Russland in der Lage sind, konventionelle Enthauptungsschläge aus der Luft durchzuführen. Als Enthauptungsschlag sei „eine mit militärischen Mitteln geführte irreversible Ausschaltung der politischen und militärischen Führung eines Staates oder einer nicht staatlichen, international agierenden Organisation als defensive Massnahme“ (3) zu verstehen. Aus militärischer Sicht seien für das Gelingen drei Kernfaktoren von größter Bedeutung: Schnelligkeit, Präzision, Ausnutzung des Überraschungsmoments. Angerer stellt anschließend diese kriegerische Form der Auseinandersetzung auf den theoretischen wie historischen Prüfstand, um dann im Mittelpunkt der Studie Fallbeispiele zu erörtern. Dazu zählen Operationen im zweiten Irak-Krieg 1991 und im Krieg in Afghanistan, Schläge aus der Luft im israelisch-palästinensischen wie israelisch-libanesischen Konflikt, die zwei russisch-tschetschenischen Kriege sowie die Konfrontation zwischen den USA und Libyen in den 70er- und 80er-Jahren. Bei der Beurteilung über Erfolg oder Misserfolg geht es Angerer nun allerdings nicht um militärische Kriterien, vielmehr arbeitet er „die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Implikationen“ (93) heraus. Abseits des militärisch Machbaren entsteht so ein differenziertes Bild, aus dem der Autor einen eindeutigen Schluss zieht: Die „Durchführung präventiver Enthauptungsschläge [sollte] im Rahmen zukünftiger Konflikte nicht in Betracht gezogen werden“. Wiederholt seien nicht nur Zielpersonen verfehlt oder gegenteilige Affekte erreicht worden – beispielsweise sei mit der israelischen Operation WOODEN LEG die PLO nicht geschwächt, sondern der palästinensische Widerstand fragmentiert und gestärkt worden; grundsätzlich stelle der Enthauptungsschlag „einen aggressiven Akt dar, der nicht als Mittel der Selbstverteidigung akzeptiert werden kann“ (230). Außerdem sei es wahrscheinlich, dass der Konflikt eskaliere und es zu regionalen oder globalen Bündnissen komme, die eine Polarisierung auf internationaler Ebene zur Folge haben könnten. Alle Aspekte zusammenfassend schreibt Angerer in dieser an der Realität orientierten Studie abschließend, dass ein Enthauptungsschlag allenfalls im Rahmen eines bestehenden Konflikts als Ultima Ratio in Betracht gezogen werden sollte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.41 | 4.2 | 2.63 | 2.64 | 2.62 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Florian Angerer: Der konventionelle Enthauptungsschlag im Kontext moderner Kriege. Zürich: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33752-der-konventionelle-enthauptungsschlag-im-kontext-moderner-kriege_40429, veröffentlicht am 15.09.2011.
Buch-Nr.: 40429
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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