/ 22.06.2013
Lars Schmidt
Das humanitäre Völkerrecht in modernen asymmetrischen Konflikten. Eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Israel-Palästina-Konflikts
Berlin: Duncker & Humblot 2012 (Schriften zum Völkerrecht 198); 275 S.; kart., 78,- €; ISBN 978-3-428-13872-2Rechtswiss. Diss. Jena; Begutachtung: M. Haedrich, M. Ruffert. – Der Autor beschäftigt sich mit modernen asymmetrischen Konflikten, in denen konventionelle Streitkräfte paramilitärischen und terroristischen bewaffneten Gruppen gegenüberstehen, die als solche oft nicht erkennbar sind. Die Grenze zwischen Kämpfern und Zivilisten verschwimmt zusehends; oft operieren paramilitärische Kämpfer in urbanen, dicht besiedelten Räumen im Schutz der Zivilbevölkerung und tragen weder ihre Uniform noch Waffen offen, um auf diese Weise ihre militärische Unterlegenheit gegenüber dem meist staatlichen Gegner auszugleichen. Dies erzeugt jedoch Probleme bei der Anwendung des humanitären Völkerrechts, das auf dem Leitprinzip der Unterscheidung zwischen Militär und Zivilbevölkerung aufbaut. Ist diese Unterscheidung nicht oder nur sehr schwer durchzuführen, stellt sich die Frage, ob die jeweilige Auseinandersetzung auf dem Boden des Völkerrechts weitergeführt wird oder ob im Umgang mit irregulären Kämpfern jedes Mittel recht ist beziehungsweise sein kann. In welchem Verhältnis stehen zum Beispiel Selbstmordattentate und sogenannte targeted killings zueinander? Die rechtliche Beurteilung dieser und ähnlicher Fragen ist Gegenstand dieser Studie. Auf eine allgemeine Beschäftigung mit asymmetrischen Konflikten sowie ihren prägenden Methoden und Ursachen folgt als Fallstudie der Israel-Palästina-Konflikt. Schmidt untersucht, welche Merkmale und Methoden diese Auseinandersetzung zu einem nach seiner eigenen Kategorisierung modernen asymmetrischen Konflikt machen; zeitlich konzentriert der Autor sich dabei auf den Gaza-Krieg 2008/09. Insbesondere die Praxis der targeted killings wird aus völker- und auch aus menschenrechtlicher Perspektive diskutiert. Ziel des Autors ist es, Lücken in der Regelung moderner asymmetrischer Konflikte aufzuzeigen. Abschließend fragt Schmidt, inwiefern das humanitäre Völkerrecht moderne asymmetrische Konflikte effektiv regeln kann, wie Fälle von targeted killings und freiwilligen menschlichen Schutzschilden völkerrechtlich geregelt und wie mit dualen (zivil-militärischen) Zielen in bewaffneten Konflikten umgegangen werden kann und soll. Die völkerrechtlichen Fragen nach dem Selbstverteidigungsrecht Israels und der Besetzung des Gazastreifens werden nicht behandelt.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 4.41 | 4.1 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Lars Schmidt: Das humanitäre Völkerrecht in modernen asymmetrischen Konflikten. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35536-das-humanitaere-voelkerrecht-in-modernen-asymmetrischen-konflikten_42866, veröffentlicht am 24.01.2013.
Buch-Nr.: 42866
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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