/ 21.06.2013
Georg Blume
China ist kein Reich des Bösen. Trotz Tibet muss Berlin auf Peking setzen
Hamburg: edition Körber-Stiftung 2008 (Standpunkte); 104 S.; brosch., 10,- €; ISBN 978-3-89684-134-6Der Autor schreibt in seinem politischen Essay gegen das westliche China-Bild im Allgemeinen und die deutsche China-Politik der Regierung Merkel im Besonderen an. Der Aufstand der Tibeter im März 2008 sowie dessen Wahrnehmung im Ausland habe, so der Autor, bei ihm einen „Ärger über die Arroganz des Westens“ (7) provoziert. Denn in der Berichterstattung und im Umgang mit dem Land werde verkannt, welche gewaltigen Modernisierungsleistungen durch die Volksrepublik bereits erbracht worden seien. Und so räumt Blume zwar ein, dass die verhafteten Mönche wohl gefoltert würden, was unentschuldbar sei, geht dann jedoch vor allem auf die „weltfremden und überzogenen“ (9) Forderungen des Dalai Lama sowie das chinesische Wirtschaftswachstum ein. Die China-Politik der Regierung Merkel habe einen Bruch gegenüber den Bemühungen der zurückliegenden Regierungen unter Schmidt, Kohl und Schröder vollzogen. Diese hätten sich bemüht, leise Anstöße zur Förderung der Menschenrechtslage in China zu geben und laute Anklagen vermieden. Merkel hingegen hätte durch ihre öffentliche Kritik viel politisches Kapital verspielt, was auch der Menschenrechtslage letztlich zum Nachteil gereiche, so Blume, denn dadurch sei unter anderem auch der äußerst produktive Rechtsdialog kurzzeitig ausgesetzt worden. Die Haltung Merkels ist für den Autor nicht nachvollziehbar – ob sie lediglich aus Rücksicht auf den Mediengeschmack, die amerikanischen Partner oder aus schlichter Chinafeindlichkeit handele, lässt er offen. Eindeutiger fällt hingegen seine Zukunftsprognose aus. Die politischen Herausforderungen der kommenden Jahre, insbesondere jene des Klimawandels, würden ohne China nicht zu bewältigen sein. Für die deutsche Wirtschaft, aber auch im Sinne der Möglichkeit von Einflussnahme auf innerchinesische Entwicklungen, seien positive Beziehungen, so Blume, für die Zukunft unabdingbar.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.25 | 2.26 | 4.21 | 4.2
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Georg Blume: China ist kein Reich des Bösen. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29181-china-ist-kein-reich-des-boesen_34495, veröffentlicht am 30.09.2008.
Buch-Nr.: 34495
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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