/ 21.06.2013
Alexander Rahr
Putin nach Putin. Das kapitalistische Rußland am Beginn einer neuen Weltordnung
München: Universitas 2009; 292 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-8004-1481-9Warum ein Buch lesen, das anlässlich des Präsidentenwechsels von Wladimir Putin zu Andrej Medwedew 2008 geschrieben wurde? Weil die Publikation von Alexander Rahr ein Déja-vu bietet – die jetzigen Machtverhältnisse in Russland werden gut beschrieben. Was der Autor damals als ein Szenario der Machtteilung zwischen Putin und Medwedew entworfen hat, ist eingetreten: „Die Doppelherrschaft wird, wider aller Erwartungen, doch funktionieren. Medwedew und Putin werden eine erfolgreiche Kompetenzverteilung bewerkstelligen, die sowohl die Institution des Präsidenten als zentralen Machtfaktor im politischen System belässt, gleichzeitig dem Ministerpräsidenten, als dem Chefexekutor der Politik des Präsidenten, zusätzliche Schüsselfunktionen für die Implementierung der Politik übergibt.“ (19 f.) Diese Doppelherrschaft besteht auch heute, nur dass Putin jetzt wieder Präsident ist und Medwedew sein Premierminister. Rahr macht deutlich, wie sehr die russische Politik von einem kleinen Kreis der Mächtigen abhängig ist. In ihrem Zentrum stehen Putin und Medwedew, die sich als Tandem gut ergänzen: Medwedew, der Professorensohn mit seiner gewählten Sprache und seinen liberalen Einstellungen auf der einen Seite, und Putin, Arbeitersohn, Agent und starker Mann mit markigen Worten, auf der anderen Seite. Die Leistung der beiden Politiker hält der Autor für ambivalent: Die Korruption in Russland sei noch immer hoch, die politische Opposition und kritische Medien werden unterdrückt und die russische Wirtschaft sei mit Ausnahme des Exports von Rohstoffen (noch) nicht wettbewerbsfähig. „Dennoch kann man aus der Statistik herauslesen, dass heute die meisten Russen einen Lebensstandard im eigenen Land genießen wie niemals in der Geschichte zuvor.“ (31) Dieser Wohlstand sei mit der Einschränkung von Demokratie und Freiheit erkauft worden. Die russischen Eliten begrüßten diese Entwicklung, so Rahr. Ein starker Staat stehe für sie an erster Stelle, erst dann komme die Demokratie. Auch der Westen habe erkannt: „Das liberale westliche Modell wird sich auf Russland nicht mehr ausdehnen lassen. Dort scheint sich ein traditionell autoritäres Modell auf die Dauer durchzusetzen.“ (187 f.)
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.62 | 2.2 | 2.24 | 4.22 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Alexander Rahr: Putin nach Putin. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30181-putin-nach-putin_35784, veröffentlicht am 19.07.2012.
Buch-Nr.: 35784
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
CC-BY-NC-SA