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/ 18.06.2013
Wang Shu

Maos Mann in Bonn. Vom Journalisten zum Boschafter. Aus dem Chinesischen übertragen und mit Anmerkungen versehen von Jörg M. Rudolph

Frankfurt a. M.: Societätsverlag 2002; 206 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-7973-0818-3
Seife musste er sich aus China mitbringen, weil es billiger war. Restaurantbesuche waren unbezahlbar und auf einer Reise nach Hamburg übernachtete Shu im Hafen kostenlos auf einem chinesischen Frachter. Die ersten Jahre als Auslandskorrespondent der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und dann als erster Botschafter der Volksrepublik in Bonn waren entbehrungsreich, zumal Shus Frau und seine Kinder in Peking bleiben mussten. Aus Anlass des 30. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und China im Oktober 2000 hat Shu seine Erinnerungen aufgeschrieben. Schon als Auslandskorrespondent war er so etwas wie ein inoffizieller Botschafter, knüpfte Kontakte und schrieb Berichte für die chinesische Regierung. Mit seinen Erinnerungen bietet Shu keine wissenschaftliche Analyse der deutsch-chinesischen Beziehungen, ihre Entwicklung wird aber nachvollziehbar dargestellt. Shu, der während der Kulturrevolution Repressionen ausgesetzt war, hält sich mit Kommentaren zur chinesischen Politik auffällig zurück - wer weiß, wohin sich der politische Wind in seiner Heimat noch drehen wird. Seinen Unterhaltungswert gewinnt das Buch, das in beiden Ländern gleichzeitig erschienen ist, durch Shus Schilderungen des mitunter von außen etwas seltsam anmutenden Verhaltens der Deutschen, zum Beispiel auf dem Münchener Oktoberfest. Dort haben ihn vor allem die "erfahrene[n], mittelalte[n] Frauen" (91) beeindruckt, die zehn große Biergläser auf einmal tragen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.222.684.21 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Wang Shu: Maos Mann in Bonn. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17526-maos-mann-in-bonn_20181, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20181 Rezension drucken
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