Skip to main content
/ 21.01.2016
Hendrik Hegemann

International Counterterrorism Bureaucracies in the United Nations and the European Union

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Demokratie, Sicherheit, Frieden 213); 325 S.; geb., 86,- €; ISBN 978-3-8487-1779-8
Politikwiss. Diss. Hamburg; Begutachtung: M. Brzoska, C. Daase. – Trotz verstärkter Bemühungen internationaler Regierungsorganisationen (IGOs) haben sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Kooperationen zur Terrorismusbekämpfung häufig als reaktiv, staatszentriert und umstritten erwiesen. Hendrik Hegemann setzt sich vor diesem Hintergrund mit der Rolle der Anti‑Terrorismus‑Bürokratien (Counterterrorism Bureaucracies, ICBs) von IGOs auseinander. Er folgt dabei der jüngeren Forschung, die für die Bürokratien von IGOs Akteursqualitäten festgestellt hat und diese nicht bloß als Instrumente staatlicher Politik begreift. IGOs verfügen demnach durchaus über an sie übertragene Autorität, die sie in bestimmten Situationen zu autonomen Handlungen gegenüber den Mitgliedstaaten befähigt. Indem er die Innenperspektive der ICBs der Europäischen Union und der Vereinten Nationen hervorhebt, konzentriert sich Hegemann auf die Funktionen und Bedingungen für eine Autonomie von IGOs. Unter Kombination von konstruktivistischen und rationalistischen Theorieansätzen identifiziert er zunächst drei Indikatoren für die Autonomie von ICBs (Ressourcen, Spielraum, Interessen/Kultur), um die Rolle der EU‑ und UN‑ICBs mittels drei Funktionstypen internationaler Bürokratien zu untersuchen (Entrepreneur, Manager, Think Tank). In der anschließenden Analyse der Einflussfaktoren für die Autonomie von ICBs unterscheidet er zwischen internen und externen sowie kulturellen und materiellen Faktoren. Empirisch überprüft wird dies in vier Fallstudien, die sich auf das UN‑Sekretariat, das UN‑Counter‑Terrorism Committee Executive Directorate, die EU‑Kommission sowie den Koordinator für die Terrorismusbekämpfung der EU beziehen. Hegemanns Ergebnisse sind vielschichtig und differenziert. Zusammengenommen erlangen die untersuchten ICBs – in unterschiedlicher Stärke und Form – durchaus operationelle Autonomie, unterliegen dabei jedoch starken Einschränkungen. In Fällen, in denen sich dennoch „Inseln operationeller Autonomie“ (269) für ICBs ergeben hätten, habe es sich als besondere Herausforderung erwiesen, Akteure mit kontroversen Forderungen im Bereich der Terrorismusbekämpfung mit der als eigene Arbeitsgrundlage dienenden Legitimität zu vereinbaren. Eine Konsequenz hieraus seien sogenannte successful failures: symbolische Politikergebnisse anstelle von effektiven Maßnahmen.
{CPA}
Rubrizierung: 4.414.33.13.52.612.25 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Hendrik Hegemann: International Counterterrorism Bureaucracies in the United Nations and the European Union Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39274-international-counterterrorism-bureaucracies-in-the-united-nations-and-the-european-union_46863, veröffentlicht am 21.01.2016. Buch-Nr.: 46863 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA