/ 18.06.2013
Amira Hass
GAZA. Tage und Nächte in einem besetzten Land. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser
München: C. H. Beck 2003; 410 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-406-50203-2Die meisten Israelis glaubten, dass die Abriegelung des Gaza-Streifens nichts als eine Reaktion auf den Terror sei. Aus Sicht der Bewohner von Gaza werde so aber erst die Wut provoziert, "die der Nährboden für die Selbstmordattentate ist" (246). Für sie seien die Worte "Oslo" und "Friedensprozess" gleichbedeutend mit Masseneinsperrungen und erstickenden Einschränkungen. Sehr engagiert beschreibt die israelische Journalistin Hass die Lebensbedingungen der Palästinenser im Gaza-Streifen. Vieles berichtet sie aus erster Hand, denn Hass lebte als Korrespondentin der Zeitung "Ha'aretz" als erste und einzige israelische Journalistin im Gaza-Streifen, 1997 zog sie nach Ramallah ins Westjordanland. In ihrem Buch, das 1996 in Israel erschien und für die deutsche Ausgabe mit einem neuen Epilog versehen wurde, schildert Hass nicht nur den Alltag, der vor allem durch Armut, Trinkwassermangel und bis zu ihrem Abzug durch die Willkür der israelischen Soldaten geprägt war. Sie beschreibt auch die negativen Folgen der israelischen Besatzung für die Infrastruktur und das Wirtschaftsleben. Neben Israel wird auch die palästinensische Selbstverwaltung unter Arafat scharf kritisiert, die in die Polizei statt in die Infrastruktur oder den Sozialbereich investiert habe. Sehr anschaulich beschrieben wird außerdem die politische Kultur der Palästinenser, "das verworrene Gespinst aus Politik und Frömmigkeit" (124). Dennoch, die Palästinenser hätten Israel während der Oslo-Jahre "ein goldenes Geschenk" (388) angeboten: Israel hätte sich von seinen kolonialistischen Charakterzügen trennen und nach einem neuen Weg suchen können, um den Konflikt mit den Palästinensern friedlich beizulegen. Diese Chance sei nicht genutzt worden. Jede Konfliktlösung aber, so Hass, müsse auf dem Grundsatz der Gleichheit basieren.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Amira Hass: GAZA. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18635-gaza_21615, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21615
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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