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/ 20.06.2013
Giovanni Scotto

Friedensbildung in Mostar. Die Rolle der internationalen NRO

Münster: Lit 2004 (Konflikttransformation 4); 269 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-8258-7852-X
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: Th. Ebert, U. Albrecht. – Die Brücke von Mostar ist ein Symbol des Krieges in Bosnien-Herzegowina geworden: Sie steht sowohl für die Nähe zwischen Kroaten und Bosniern als auch durch ihre Zerstörung für die Barbarei des Krieges. Mostar war jedoch auch der Schauplatz von ernsthaften Versuchen der internationalen Gemeinschaft, die Schäden zu beseitigen und alles wieder aufzubauen. Der Autor interessiert sich nicht für die Politik der Staatengemeinschaft sondern untersucht, was auf der Mikroebene im Besonderen von Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) angestoßen und durchgeführt wurde. Scotto wählt eine induktive Herangehensweise an seinen Untersuchungsgegenstand, auf der Basis der Grounded Theory. Als Datenquelle dienten ihm neben der Literaturauswertung Interviewserien, die er mit NRO-Personal in Mostar durchführte. Er liefert zunächst einen Überblick über die makropolitische Entwicklung in der Region vor und nach dem Krieg. Zudem skizziert er die Rolle internationaler Organisationen wie der OSZE und des UNHCR im Friedensprozess in Bosnien-Herzegowina. Im Hauptteil beschäftigt er sich mit der Arbeit von NROs auf dem Gebiet der Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit, der Rolle von Frauen und Frauengruppen im Friedensprozess, Versuchen zur Demokratisierung und Konfliktbearbeitung sowie Strategien zur Deeskalation bei Provokationen radikaler Kräfte. Als wichtigste Funktionen der NRO identifiziert Scotto materielle Unterstützung, Schutzgewährung, die Erweiterung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Handlungsmöglichkeiten (Empowerment) sowie die Förderung sozialer Beziehungen. Insgesamt stellt er der Arbeit der NRO in Mostar ein gutes Zeugnis aus. Es sei gelungen, einen langsamen Wandel in der Gesellschaft einzuleiten. Der Prozess sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Insbesondere müsse es gelingen, mithilfe der neuen zivilgesellschaftlichen Akteure eine Entpolitisierung zu verhindern, weil diese radikalen Kräften in die Hände spiele.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.414.32.62 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Giovanni Scotto: Friedensbildung in Mostar. Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22775-friedensbildung-in-mostar_26003, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 26003 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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