/ 21.06.2013
Karl Georg Zinn
Die Keynessche Alternative. Beiträge zur Keynesschen Stagnationstheorie, zur Geschichtsvergessenheit der Ökonomik und zur Frage einer linken Wirtschaftsethik
Hamburg: VSA 2008; 190 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89965-323-6Der Autor stellt in der Einleitung eine Systemkrise des Kapitalismus westlicher Prägung fest. Die Entwicklungen im Kontext der Finanzkrise des Jahres 2008 zeigten, dass der westliche Kapitalismus nun durch einen asiatischen Kapitalismus abgelöst werde. Ersterer habe durch die Globalisierung seit den 70er-Jahren nur einen temporären Vorteil genossen und sein derzeitiger Zusammenbruch mache deutlich, dass „eine grundlegende Revision der Wachstumsorientierung erforderlich“ (9) werde. Dies macht Zinn insbesondere an der Auseinandersetzung mit Keynes Stagnationstheorie deutlich, die er in der Wissenschaft fahrlässig, aber auch aus ideologischen Gründen vernachlässigt sieht. So lasse sich in der Langzeitprognose des Theorems der Rückfall in eine „quasi feudalistische Gesellschaftsformation“ (28) voraussehen, in der Besitzsicherung durch Verteilung des Einkommens von unten nach oben stattfinde. Auf diese Weise würden die höheren Einkommensschichten in die Lage versetzt, sich vermehrt schlecht bezahlte Dienstleistungen zu kaufen, eine Entwicklung, die der Autor seit Längerem in den USA und zunehmend auch in Europa erkennt. Keynes habe jedoch nicht gesehen, dass eine solche Entwicklung fort von einer humanen Wohlstandsentwicklung die Demokratie gefährde, so der Autor: „Der Konzentrationsprozess verschiebt nicht nur die Machtrelation zulasten der demokratischen Verfassungswirklichkeit, sondern untergräbt auch die ökonomische Position des Mittelstandes“ (29). In seine systematische Analyse und die Warnungen vor einer Gefährdung der Demokratie bettet Zinn auch die gegenwärtige Krise ein: „Was wir seit einigen Jahren erleben, ist kein zufälliger Betriebsunfall des globalisierten Kapitalismus, sondern […] ergibt sich aus den Betriebsbedingungen des Systems. Die Veränderungen wurden im Interesse einer relativ kleinen finanzkapitalistischen Machtelite herbeigeführt“ (108). In diesem Kontext kritisiert der Autor auch die Verwendung der Adjektive dubios und spekulativ. Für ihn handele es sich um betrügerische Aktivitäten, die den Volkswirtschaften unmittelbar Schaden zufügten.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45 | 2.22 | 2.68 | 2.61 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Karl Georg Zinn: Die Keynessche Alternative. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30142-die-keynessche-alternative_35737, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35737
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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